Taifun-Katastrophe
China erntet Kritik für Zurückhaltung

China hält sich mit seiner Hilfe für die Opfer der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen bislang auffallend zurück. Dafür erntet die Weltmacht Kritik aus In- und Ausland. Den USA spielt die Zurückhaltung in die Hände.
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HongkongAus aller Welt strömen nach dem verheerenden Taifun Helfer und Hilfsgüter auf die Philippinen. Doch ausgerechnet die Weltmacht China hält sich auffallend zurück, obwohl sich die Katastrophe fast vor ihrer Haustür ereignete. Gerade mal 100.000 Dollar stellte die Regierung in Peking an Soforthilfe zur Verfügung. Nach massiver Kritik aus dem In- und Ausland stockte sie die Summe am Donnerstagabend um 1,6 Millionen Dollar auf. Auch das ist nur ein Bruchteil dessen, was andere Länder geben. Exemplarisch wird die chinesische Zurückhaltung am Hospitalschiff „Friedensarche“.

Das Schiff, das mit 300 Betten, acht Operationssälen und 100 Ärzten und Pflegern zu den größten und modernsten seiner Art zählt, liegt fest vertäut in seiner Basis Shanghai. Dorthin war es im Oktober nach einer viermonatigen Tour zur Vertrauensbildung durch acht Länder zurückgekehrt, bei der Tausende Patienten versorgt wurden. Es gibt keine Hinweise darauf, dass ein neuer Einsatz bevorsteht. Die Boulevardzeitung „Global Times“, die dem Parteiorgan „Renmin Ribao“ gehört, forderte am Freitag aber die Entsendung des Hospitalschiffs in das Katastrophengebiet. Vom Verteidigungsministerium war dazu keine Stellungnahme zu erhalten.

Diplomaten und Politikexperten äußern sich verwundert über die chinesische Zurückhaltung. Zwar hatten die Spannungen zwischen China und den Philippinen jüngst zugenommen, weil die Regierung in Manila einen UN-Gerichtsentscheid über chinesische Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer anstrebt. Allerdings gab es auch diplomatische Erfolge für China, seinen Einfluss in der Region zu stärken und den der USA zurückzudrängen. Diese werden nun unterlaufen. „Das ist eine Wunde für Chinas Einfluss und Ansehen, die sie sich selbst zugefügt haben“, sagte der Politologe Rory Medcalf vom australischen Lowy Institute.

Er sei verwundert, dass die chinesische Führung die „Peace Ark“ nicht einsetze, sagte Medcalf. Denn mit dieser Geste würde sie im diplomatischen Streit mit den Philippinen in der Region Sympathie gewinnen und die Botschaft aussenden, dass die USA dort nicht mehr gebraucht würden. Stattdessen spiele sie den USA in die Hände, die sich immer stärker gen Asien ausrichteten.

Entsprechend haben die USA umfangreich und rasch auf die Katastrophe reagiert. Neben Nahrungsmitteln und medizinischer Hilfe haben sie Einheiten der Marine, darunter den Flugzeugträger „George Washington“ mit seinen Transporthubschraubern, ins Katastrophengebiet geschickt und organisieren dort sichtbar für alle Welt die Hilfsmaßnahmen. „Das ist ein konkretes Zeichen für die Neuausrichtung (der USA), und die Präsenz der amerikanischen Streitkräfte in der Region bleibt eine sehr effektive Geste“, sagte Medcalf.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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