Talkshow zur Bespitzelungsaffäre
Maybrit Illner überwindet ihr Telekomgate

Sie hat ihn wohl bestanden, den Härtetest, die Bewährungsprobe, wie ihre Talksendung vom Donnerstagabend vorab in den Medien betitelt worden war. Vielleicht nicht mit Bravour, aber am Ende der Sendung zumindest mit einem Lächeln im Gesicht. Maybrit Illner hat ihr Telekomgate überwunden: nämlich die Zweifel an ihrer journalistischen Unabhängigkeit und an ihrer Professionalität, wenn es um die Spitzelaffäre der Telekom geht.

HB DÜSSELDORF. Ihre seit Sommer 2007 bestehende Liaison mit dem Vorstandschef der Deutschen Telekom René Obermann hat Illner ins Zwielicht gebracht. Von möglicher Befangenheit war in den Medien die Rede - oder besser gesagt vom "Anschein der Befangenheit", wie ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender sagte. René Obermann war beim ZDF Chefsache geworden. Und mit jedem Tag, an dem neue Hiobsbotschaften vom Spitzelriesen Telekom ans Tageslicht drangen, schienen die Sorgenfalten beim ZDF zuzunehmen. Das Renommee des Senders - und das seiner Moderatorin - standen auf dem Spiel.

Nun also der Befreiungsschlag. Eine Talkshow zum Thema. Titel: Deutschland einig Spitzelland. Bei der Sendung wird schnell deutlich, wie sehr Illner ihr persönliches Telekomgate mitgenommen hat. Sie ist zwar stets hochkonzentriert bei der Sache, an diesem Abend wirkt die 43-Jährige aber angespannt wie ein Flitzebogen - zackig reckt sie das Kinn nach oben, kritisch kneift sie die Augenbrauen zusammen und nimmt den Diskussionsgast mit aufmerksam strengem Blick ins Visier. Illner ganz die kritische, unabhängige Journalistin. Weißer Hosenanzug, kein Schmuck - bis auf einen einzigen dicken Ring. Die Beine übereinander geschlagen, in einer Hand stets die Din A4 großen Notizblätter. Mit der anderen verleiht Illner ihren Fragen die nötige Durchschlagskraft. Mal zur Faust geballt, mal als Hackbeil, mal kommt nur der aufspießende Zeigefinger zum Einsatz, der die Antworten der Gäste bereits vorweg in der Luft füsiliert.

Auch wenn auf der Website der Talkshow anderes angekündigt war: Illner widmet sich fast die volle Sendezeit über dem Thema Telekom. Fürs neue BKA-Gesetz bleiben nur ein paar Minuten, Lidl kommt nur am Rande vor, andere Unternehmen werden höchstens namentlich erwähnt. Auch das natürlich ein Statement. Illner will dem Thema Telekom nicht ausweichen - sondern es mit voller Wucht angehen. Und schießt dabei auch mal übers Ziel hinaus, macht aus Verdächtigen zum Beispiel Täter. Da muss sie dann ihr Gast Wolfgang Bosbach, stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion, daran erinnern, dass "wir hier keine Ermittler oder Staatsanwälte sind".

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