Tatmotiv mit ins Grab genommen
"Dr. Tod" griff zum Strick

Er tötete leise, kaltblütig und stets mit einer Überdosis Heroin: Der auch als "Dr. Tod" bekannt gewordene britische Mediziner Harold Shipman, hat sich am Dienstag in seiner Gefängniszelle erhängt. Der vierfache Vater wird für den Tod von mindestens 215 Menschen verantwortlich gemacht.

HB LONDON. Ein Sprecher der Haftanstalt in Wakefield bestätigte am Morgen den Tod des zu lebenslanger Haft verurteilten Hausarztes Harold Shipman, der mindestens 215 Menschen auf dem Gewissen hat. Der als „Dr. Tod“ berühmt gewordene Mediziner war im Jahr 2000 wegen Mordes an 15 Patienten verurteilt worden. Eine spätere Untersuchung hatte jedoch ergeben, dass er zwischen 1975 und 1998 mindestens 171 Frauen und 44 Männern mit Heroin umbrachte. Der Vater von vier Kindern, der einen Tag vor seinem 58. Geburtstag starb, gilt damit als der schlimmste Serienmörder, den es in Großbritannien je gegeben hat.

Shipman habe sich mit seinem Bettzeug erhängt, das er an den Gittern seiner Zelle befestigt habe, sagte der Gefängnissprecher. Er sei zum Zeitpunkt seines Todes allein in seiner Zelle gewesen und habe nicht als selbstmordgefährdet gegolten. Shipman habe bis zuletzt ganz normal an den Arbeits- und Bildungsangeboten der Haftanstalt teilgenommen.

Angehörige von Opfern bedauerten, dass nun Shipman das Motiv für seine Taten mit ins Grab nimmt. Shipman hatte keinen der Morde zugegeben. „Ich hatte immer gehofft, dass ich ihn eines Tages nach dem Warum fragen kann“, sagte Danny Mellor, dessen 73-jährige Mutter Shipman getötet hatte. „Nun habe ich diese Möglichkeit nicht mehr.“ Der Staatsanwalt hatte im Prozess vor vier Jahren erklärt, der Arzt sei von dem Bedürfnis angetrieben worden, auf gottähnliche Weise über Leben und Tod zu entscheiden. Andere Spekulationen führten seine Taten auf den Krebstod der Mutter zurück, den Shipman als Jugendlicher erleben musste.

Der Untersuchung zufolge tötete der Arzt leise, kaltblütig und immer mit der selben Methode: Bei Hausbesuchen spritzte Shipman Patienten Überdosen des Rauschgiftes Heroin. Die Staatsanwaltschaft stellte bei der Vorlage ihres Untersuchungsberichtes vor zwei Jahren fest, Shipman habe das Vertrauen seiner Patienten in einem Ausmaß missbraucht, wie es dies in der Geschichte bis dahin nicht gegeben habe. Angehörige der Ermordeten waren jahrelang davon ausgegangen, dass ihre Verwandten eines natürlichen Todes gestorben sind. Shipmans ältestes Opfer war 93, sein jüngstes 41. Überführt wurde er, nachdem die Tochter seines letzten Opfers das Testament der Verstorbenen angefochten hatte, in dem Shipman zum Alleinerben eingesetzt worden war. Eine Exhumierung der Leiche brachte dann Reste der tödlichen Heroin-Dosis an Licht.

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