Tatort
Im Visier skrupelloser Nazis

Beim sonntäglichen Tatort aus Dortmund schüchtern Rechtsradikale die ermittelnde Kommissarin ein. Doch die Realität in dieser Stadt hat den Film längst überholt. Auch im Vorfeld der Dreharbeiten gab es Drohungen.
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DortmundIm „ Tatort“ am heutigen Sonntag ermitteln die Dortmunder Kommissare in der rechten Szene. Den dort ansässigen Neonazis passte dies jedoch offenbar nicht. „Es gab im Vorfeld Drohungen“, sagt Jörg Hartmann (45), der den Chef-Ermittler spielt, zu Bild am Sonntag. „Die Rechten hatten im Internet einen Besuch bei den Dreharbeiten angekündigt“

Regisseurin Nicole Weegmann traf sich vor den Dreharbeiten mit einem Fachmann vom Staatsschutz: „Dieser berichtete, dass die Nazis im Internet über unser Projekt informiert hätten und in dem Zusammenhang auch angekündigt hatten, uns ‚kreativ‘ begleiten zu wollen.“

Das geschah auch. „Tatsächlich kurvte ein mysteriöser Wagen ständig um unseren Drehort am Hörder Hochofen“, so Jörg Hartmann. Zu einem Übergriff sei es jedoch nicht gekommen. Für Hartmann ein Hinweis darauf, dass Rechtsradikale nicht nur dumpfe Schläger seien, sondern genau wüssten, was sie tun. Hartmann: „Unsere Mitmenschen aus dem rechten Milieu waren wohl doch klug genug zu wissen, dass ihnen Randale am ‚Tatort‘-Set eher geschadet hätten.“

Einschüchterungsversuche von Neonazis sind in der Dortmund keine Seltenheit. Bei einer Informations-Veranstaltung in einer evangelische Kirche über Flüchtlingsunterkünfte gab es einen brutalen Angriff auf einen Polizisten, die Teilnehmer trauten sich nach Ende der Veranstaltung nicht, die Kirche durch das Hauptportal zu verlassen. Sie wählten die Hintertür, berichtet die Dortmunder Zeitung Ruhr Nachrichten.

Denn Rechtsextremisten filmten die Besucher in der Kirche. Sie beleidigten vor vielen Zeugen Dortmunds Sozialdezernentin Birgit Zoerner  als "Judenhure" und verhöhnten Bürger, die für Flüchtlinge das Wort ergriffen hatten. Damit nicht genug: Nach dem Angriff gegen den 24-jährigen Polizisten durch einen 39-jährigen Nazi demonstrierten die Rechtsextremisten gegen angebliche Polizeiwillkür. Die angegriffene Staatsgewalt musste die Spontandemo obendrein noch schützen. Im Einsatz waren 30 Polizisten.

Der Vorfall erinnerte Polizeisprecher Kim Freigang an die Zeit in den 1930er-Jahren, als die Nationalsozialisten die politischen Gegner in die Öffentlichkeit zerrten und diffamierten. Mit Provokationen würden die Rechtsextremisten den Druck ablassen, der permanent gegen sie aufgebaut würde.

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