Tempolimit rechtswidrig
Wir bremsen nicht für Uhus

Eine Radarfalle soll tieffliegende Uhus in der Eifel vor Rasern schützen. Über 7.000 Autos wurden dort bisher geblitzt und der Starenkasten mehrfach ramponiert. Ein Gericht hat den Blitzer nun gestoppt - vorerst.
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Aachen/HeimbachEs geht um viel: Tempolimit, Radarfalle, Schutz von Uhus, empörte Autofahrer und eine Tempo-Sünderin, die vor Gericht zog. Am Dienstag hätte sich diese Frau freuen können: Das Verwaltungsgericht gab ihr Recht. Das 50er Limit und die Radarüberwachung sind rechtswidrig, befanden die Richter in Aachen.

Aber das heißt nicht, dass die erbittert bekämpften Tempobremsen vom Tisch sind. Denn die Richter halten die Geschwindigkeitsbegrenzung aus Rücksicht auf die Uhus im angrenzenden Vogelschutzgebiet grundsätzlich durchaus für vertretbar. Der Kreis Düren stolperte nur über einen Verfahrensfehler und muss neu entscheiden, wenn er keine Berufung einlegt (Az.: 2 K 1352/11). Er wurde von einer Vereinbarung eingeholt, die er vor sieben Jahren mit Naturschützern eingegangen war. Die Beteiligten hatten sich daran gehalten. Es wäre auch schon Gras über die Sache gewachsen - wenn da nicht die empörten Autofahrer gewesen wären.

Gestritten wird um einen Abschnitt auf der Landstraße 249 zwischen den beiden Örtchen Blens und Hausen bei Heimbach. Die 900 Meter Straße waren vor Jahren eine Rumpelstrecke. Das Touristenstädtchen Heimbach wollte den Ausbau, auch der Kreis Düren. Die Tierschützer wollten dagegen klagen: In den angrenzenden Felsen aus Buntsandstein lebt und brütet der in Deutschland geschützte Uhu. Der Vogel gilt tendenziell als Tiefflieger, der mit schwerer Beute in den Krallen nur träge auf Hindernisse reagieren kann. Je langsamer die Autos, desto geringer das Kollisionsrisiko mit dem Uhu, meinen Uhu-Experten wie der Düsseldorfer Biologe Rolf Krechel. Die Beteiligten trafen ein Abkommen: Der Kreis sorgt dafür, dass zum Schutz der Vögel nicht gerast wird und die Naturschützer halten sich bedeckt.

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Wütende Autofahrer demolierten Blitzer

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  • Nein für die Kröten ist es nicht zum Vorteil, aber für die Menschen. Die Kröten wandern bei feuchtem Wetter. Und Nässe, durch die Krötenwanderung aufgebrachter Schlamm und Blätter und überfahrene Kröten bilden einen Brei auf dem man schon als Fußgänger ausrutscht. Außerdem wandern Kröten hauptsächlich im Dunkeln. Schlecht wenn man in dieser Situation bremsen muß. Habe früher bei Sammelaktionen geholfen, man hätte sonst Teilstrecken tagelang sperren müssen, zehntausende Kröten, die teilweise die Straße 10 cm hoch abdeckten. Und dann die Raubtiere, aber auch Ratten, die auf Krötenjagd waren.

  • Was passiert eigentlich, wenn einer der Vögel mal einem auf die Scheibe knallt? Dann ist das Geschrei noch größer! Dann ist der Kreis schuld, weil er seine Verkehrssicherungspflicht verletzt hat indem er keine Geschwindigkeitsbegrenzung aufgestellt hat. Wie gestört muss man eigentlich sein, um in Aachen Richter werden zu können? Und wie abartig gestört muss man erst sein, um dort zu wohnen und wegen solchem Unsinn zu klagen?

    Wenn in dem Kreis kluge Leute sitzen, wird die Straße zurück gebaut: auf eine Buckelpiste, auf der ab höchstens 20 km/h jedes Auto nach 10 km Schrott ist. Dann ist Ruhe im Busch.
    Noch besser: Man baut ein paar rechtwinklige Kurven ein. Eine Stahlbeton-Wand dazwischen als Schutz der Gegenfahrbahn, 30 Schild davor und dann mal sehen, wie viele darin hängen bleiben. Es braucht dann keine Radarfalle mehr. Das örtliche Krankenhaus erwirtschaftet anschließend mit Sicherheit höhere Gewerbesteuereinnahmen. Mit Randale gegen den Blitzer ist dann auch Schluss. Von der Lösung profitieren alle - einschließlich der Vögel.

  • Wenn 50 sind, dann sind 50 und damit Basta. (...)
    Ich wollte mal nach Düren ziehen. Gott sei Dank, hat sich das rechtzeitig zerschlagen. (...)

    @Justin: Wer Verkehrshindernis spielt der sollte allerdings aus dem Verkehr gezogen werden. Ihr Beispiel bestätigt, das Fahranfänger das größte Verkehrsrisiko darstellen.(...)
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

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