Tempus
Dieses Spiel braucht Zeit

Notizen eines Spieleabends. 20.00 Uhr: Wir beschließen, Tempus zu spielen. Die gelungene Grafik ist ebenso vielversprechend wie der Name des Autors, Martin Wallace. Die achtseitige Spielanleitung schreckt noch nicht. 20.45 Uhr. Die Regel ist durchgearbeitet, doch beginnen können wir nicht. Es gibt Diskussionen über einige Regelpunkte, die nicht eindeutig formuliert sind. Fast sind wir so weit, die Schachtel wieder wegzulegen.

DÜSSELDORF. Wir haben nicht aufgegeben. Also weiter: 21.00 Uhr: Die Felder auf den Spieltableaus stimmen nicht mit der Regel überein. Auch können wir den Sinn der Holzklötzchen nicht erraten. 21.15 Uhr: Das Internet muss helfen. Erst die Recherche auf mehreren Spieleseiten klärt unsere Fragen. Ergebnis: Tempus hat eine schlampige Anleitung, das Tableau ist falsch bedruckt, die Holzklötzchen sind überflüssig. 21.30 Uhr: Wir beginnen! 23.30 Uhr: Tempus ist klasse! Schade nur, dass uns der Verlag diese Erkenntnis so schwer gemacht hat.

Tempus – der Name lässt es erahnen, schickt uns auf eine Zeitreise, bei der wir den Spielplan besiedeln, unser Volk vermehren, wandern, Gebiete besetzen und so Zivilisationsfortschritte erreichen. Hier und da kommt es zwangsläufig zu Kämpfen mit unseren Nachbarn, wenn das Gebiet zu eng wird. Alle Völker entwickeln sich fast gleichmäßig – und dieses fast ist es, das den Reiz des Spiels ausmacht. In jeder Runde erreicht genau ein Volk einen Zivilisationssprung und ist den Gegnern so für eine Runde voraus.

Der Vorteil scheint gering. Mal darf man seine Figuren ein Feld weiter bewegen, mal eine zusätzliche Fortschrittskarte ziehen, mal eine zusätzliche Figur ziehen. Doch diese kleinen Vorteile sind nicht hoch genug einzuschätzen, denn sie helfen uns, hier und da die entscheidenden Felder zu besetzen, eine Stadt zu bauen, bevor der Gegner dies tut, oder auch kostenlos einen Angriff zu wagen.

Fortschrittskarten helfen uns beim Ausbau unserer Zivilisation ebenso wie im Kampf. Ebenso knapp wie die Unterschiede in der Entwicklung sieht es auch am Ende aus: Wenige Entwicklungspunkte entscheiden darüber, wer sein Volk auf der Zivilisationsleiste am erfolgreichsten nach vorne gebracht hat.

Tempus ist ein Spiel, das uns vor der ersten Partie viel Geduld abverlangt und reichlich Nerven kostet. Eine so schlampige Bearbeitung kann auch begeisterten Spielern den Spaß nehmen. Wer sich an Tempus wagt, sollte besser gleich im Internet die korrekten Regeln recherchieren und so den größten Ärger vermeiden. Dann allerdings wird er mit einem hochwertigen Strategiespiel belohnt, das auch leidenschaftliche Spieler begeistern kann.

Tempus
Pro Ludo
3 – 5 Spieler ab 12 Jahren
ca. 90 min
ca. 20 Euro

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