Terrorgefahr ist längst normal
„Business as usual“ im Königreich

Die Briten lassen sich durch die Autobomben in London und Glasgow nicht aus der Ruhe bringen. Für viele Menschen im Königreich bedeutet Terroralarm mittlerweile „Business as usual“. Deutschen London-Besuchern war am Wochenende allerdings etwas mulmig zumute.

HB LONDON. „Wir wollten genau in den Nachtclub in London gehen, wo die Autobombe hochgehen sollte. Wir haben es uns aber nochmal anders überlegt“, erzählt Stefan Hoyer (29), der für zwei Wochen in London für seine Firma aus München arbeitet. „Das ist schon ein sehr, sehr komisches Gefühl. Aber wenn man in London lebt, gewöhnt man sich da wahrscheinlich dran.“

In der Tat: Auf der Schwulen- und Lesbenparade, die durch das Herz der Stadt zog, feierte sich die bunte Menge am Samstag selbst. Zwar war da noch nicht die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen, doch viele Menschen wissen sowieso nicht, was diese bedeutet. „Diese Terrorgefahr ist hier doch längst normal geworden. Ich weiß zwischen den Warnstufen gar nicht zu unterscheiden“, sagte Severine Garnier (26), eine Französin, die in London lebt. „Und diesmal ist ja auch keiner gestorben.“

Bei dem Gedenkkonzert für Prinzessin Diana wurden die Sicherheitsvorkehrungen zwar erhöht - 450 Polizisten sollten das Riesenkonzert im Wembley-Stadion sichern, doch zehntausende Menschen sind gekommen, um ihre „Prinzessin der Herzen“ zu ehren und nicht um Terror-Trübsal zu blasen. Louise Fowler (35) betonte, sie wolle gute Musik hören und Dianas Leben feiern. Seit den fatalen Anschlägen vom 7. Juli 2005, bei denen Selbstmordattentäter 52 Menschen in den Tod rissen, ist die Terrorangst Alltag geworden. Es scheint, als würden die schrillen Schlagzeilen der Zeitungen und die aufgeregten Fernsehbilder nur Hintergrundbrummen in dem geschäftigen Leben der Menschen sein. Selbst wenn der Verkehr so wie am Freitag nach dem Fund zweier Autobomben in London zusammenbricht, nimmt man das gelassen hin - werden doch fast jeden Tag Strecken der maroden „Tube“ (U-Bahn) gesperrt.

Die Situation in Glasgow war dagegen eine andere. Als das Auto in den Terminaleingang der größten schottischen Stadt raste und in Flammen aufging, brach Panik aus. Schreiende Menschen liefen durch den Flughafen, weinende Menschen riefen bei Fernsehsendern an und gaben ihre Berichte live durch. Urlauber, die sich auf ihre Ferien freuten, saßen die ganze Nacht fest. Am nächsten Tag durchsuchten Kriminalexperten mehrere Häuser nahe des Flughafens in Glasgow und brachten den dort Menschen ins Gedächtnis, dass der Terror überall gedeiht, nicht nur in Metropolen wie London.

Die muslimische Gemeinde in Schottland ist nun in Aufregung. Osama Saeed, schottischer Sprecher des Verbandes Muslim Association of Britain, sagte: „Diesen Terroristen ist egal, wen sie töten. Wir schäumen vor Wut. Und wir sind es leid, als Terroristen-Gemeinde definiert zu werden.“

Trotz allem würde den Briten die Reiselust so schnell nicht vergehen, sagte Toby Nicol, Sprecher des Billigfliegers easyJet. „Das Wetter war zuletzt so schlecht, so dass die Menschen ihre Ferien noch dringender brauchen. Und wenn es ein bisschen länger dauert, zum Flughafen zu kommen, dann ist das eben so.“

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