Terrorismus-Prozess
„Einfache Übungen mit der Kalaschnikow“

Nach langem Schweigen haben die Mitglieder der sogenannten Sauerland-Gruppe im Düsseldorfer Terrorismus-Prozess mit ihren angekündigten Geständnissen begonnen. Als Erster bestätigte der mutmaßliche Anführer Fritz Gelowicz seine Aussagen bei der Vernehmung.

HB DÜSSELDORF. In den vergangenen Wochen hatten er und seine drei Mitangeklagten bereits gegenüber den Vernehmungsbeamten des Bundeskriminalamts gestanden. Diese auf rund 1000 Seiten festgehaltenen Aussagen müssen nun in das Verfahren vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht eingebracht werden.

Nach dem Geständnis von Gelowicz haben sich die Angeklagten während ihrer Ausbildung in einem Terror-Camp in Pakistan zu Anschlägen in Deutschland entschlossen. „Ich war ziemlich schnell von der Idee überzeugt“, sagte der mutmaßliche Rädelsführer Gelowicz am Montag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. „Wir waren uns einig, dass es unsere Pflicht sei, diese Möglichkeit zu nutzen.“ Der 29-Jährige sagte als erster Angeklagter umfassend aus.

Ursprünglich seien sie in das Lager im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet gefahren, um sich in der Region am Dschihad zu beteiligen, betonte Gelowicz: „Es war unsere Absicht, dort zu kämpfen.“ Doch sei es dort weit schwieriger, einen Anschlag zu begehen, bei dem Amerikaner zu Schaden kämen: „Dahinter stecken viel Aufwand und Opfer auf der eigenen Seite.“ Daher sei ihnen von einem der Anführer die Rückkehr nach Europa nahegelegt worden: „Mit weniger Aufwand könnten wir einen viel größeren Schaden erreichen.“ Man habe ihn aber nicht überreden müssen, räumte Gelowicz ein: „Er hat mich keiner Gehirnwäsche unterzogen.“

Zwar seien der Mitangeklagte Yilmaz und er nicht sicher gewesen, ob sie zu den Anschlägen in der Lage seien: „Wir haben uns aufgrund unserer Fähigkeiten eigentlich nicht als geeignet gesehen.“ In dem Lager sei ihnen jedoch Unterstützung versprochen worden - man habe ihnen gesagt: „Wir können euch alles beibringen, was nötig ist.“ Gelowicz saß bei seiner Aussage anders als sonst nicht hinter einer Glasscheibe, sondern am Zeugentisch mitten im Saal.

Gelowicz hatte zunächst seine erste Begegnung mit Yilmaz geschildert, den er zusammen mit dem Mitangeklagten Atilla Selek 2005 in Mekka traf. Er schilderte danach ohne jedes Zögern oder Stocken die komplizierte Anreise zu dem Lager im Jahr 2006 - demnach flogen er und Yilmaz mit einem Weggefährten über die Türkei in den Iran, ließen sich nach Pakistan einschleusen und kamen nach einer mehrtägigen Reise mit Bussen und Autos schließlich in dem Lager an. Dort lernten sie alles Nötige für den bewaffneten Kampf: „Alles in allem dauerte die Ausbildung drei Monate.“

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