Teurer Bischofssitz Was aus Limburgs Millionen-Residenz werden könnte

Nach der Suspendierung des Limburger Bischofs gibt es etliche Vorschläge, wie dessen teure Residenz umfunktioniert werden könnte. Die Ideen reichen von einem Café bis hin zu einer Obdachlosenunterkunft.
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Das Bischofshaus und der Dom in Limburg. Das Münchner Vorhaben ist für den Verband „Wir sind Kirche“ nicht vergleichbar mit den Ausschweifungen von Tebartz-van Elst. Quelle: dpa

Das Bischofshaus und der Dom in Limburg. Das Münchner Vorhaben ist für den Verband „Wir sind Kirche“ nicht vergleichbar mit den Ausschweifungen von Tebartz-van Elst.

(Foto: dpa)

LimburgNach dem vom Papst verordneten Zwangsurlaub für Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird über eine alternative Nutzung seiner neuen luxuriösen Residenz in Limburg diskutiert. Die Ideen reichen von einer Obdachlosenunterkunft bis hin zu einem Kommunikationszentrum. „Der Standort an sich hat etwas Einladendes, etwas Kommunikatives. Da gehört etwas Offenes hin“, sagte Pfarrer Albert Dexelmann aus Runkel der Nachrichtenagentur dpa. Er könne sich ein Café für die Millionen Dom-Besucher vorstellen.

Das Mitglied des Limburger Priesterrats, Werner Otto, schlägt vor, das Gebäude Obdachlosen und Bedürftigen zu öffnen. „Wäre es nicht ein gutes Zeichen, wenn das Haus, das der Öffentlichkeit geradezu als Symbol der Verschwendung gilt, sich für diejenigen öffnen würde, die nichts zum Verschwenden haben?“ fragt er. Auf der einen Seite könne der Bischof arbeiten, auf der anderen könnten sozial schwache Menschen bewirtet werden. So bekomme ein mit 25 000 Euro „sündhaft teurer“ Konferenztisch eine „neue Funktion als Tisch der Armen“.

Der Gedanke knüpfe an die Tradition von Pfarreien und Bischofssitzen als „Anlaufstellen für Menschen in Not an“. Otto, der Stadtjugendpfarrer in Frankfurt ist, hält die Residenz-Bezeichnung „Diözesanes Zentrum“ für eine Täuschung der Öffentlichkeit. Gewählt worden sei Begriff erst, als die Kosten in die Höhe schnellten. Der Prachtbau soll mehr als 31 Millionen Euro gekostet haben.

Tebartz-van Elst steht seit Wochen insbesondere wegen seiner Amtsführung und der Baukosten für seinen Amtssitz in der Kritik. Eine von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Prüfkommission soll klären, wie die Kosten explodieren konnten. Papst Franziskus hatte dem Limburger Oberhirten am vergangenen Mittwoch eine längere Auszeit verordnet.

Neuer kommissarischer Leiter des krisengeschüttelten Bistums Limburg ist Generalvikar Wolfgang Rösch. Er nimmt an diesem Montag offiziell seine Amtsgeschäfte auf. In einem Interview des Hessischen Rundfunks sagte er, ihm gehe es zunächst darum, Ruhe und Vertrauen zu bewahren. Am Sonntag hatte sich Rösch mit einer Messe von seinen bisherigen Aufgaben als Wiesbadener Stadtdekan verabschiedet.

  • dpa
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9 Kommentare zu "Teurer Bischofssitz: Was aus Limburgs Millionen-Residenz werden könnte"

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  • Das ist nicht das Problem. Zwar mögen die Baukosten vorher bekannt gewesen sein, aber nur den Kontrolleuren. Und offensichtlich hat der Bischof persönlich dafür gesorgt, daß die wahren Kosten systematisch verschleiert wurden.

  • Was nach wie vor bemerkenswert ist, ist die Tatsache, das von explodierten Baukosten die Rede ist, was nachweislich nicht stimmt. Die Baukosten standen von Anfang an so gut wie fest. Gegenstand einer Untersuchung kann also nur sein, ob die Kosten bezüglich des Gesamtobjektes gerechtfertigt sind oder nicht.
    Aber egal wie es für den Bischof ausgeht, die Rolle des Frankfurter Stadtdekan erscheint mindestens so zweifelhaft wie die des Bischofs selbst.

    H.

  • Nicht die Kritiker müssen auf TvE zugehen, sondern er sollte sich öffentlich erklären. Und da er das nicht macht und der Papst es letztendlich durch die verordnete Auszeit verhindert, hat das nichts mit "Euphorie" zu tun.

    Das beste Argument gegen die katholische Kirche ist die katholische Kirche selbst.

  • Lieber Altstadtbewohner,

    ich kann Ihren Ausführungen nur zustimmen!

    Es scheint mir, als führe die neue Wutbürger- samt Trittbrettfahrer-Kritikmaschine, die sich euphorisch gegen die katholische Kirche richtet, gepaart mit der typischen Deutschen Gründlichkeit, nun zu völlig abstrusen Ideen. Das Diözesane Zentrum scheint nun als alles genutzt werden zu dürfen, nur nicht als das, wofür es nun einmal gebaut wurde. Weltweit stehen solche Gebäude im Zentrum von Diözesen, Deutschland weit kann man ähnliche Bauten mit ähnlich hohen oder gar höheren Ausgaben beobachten, nur es schert sich keiner darum, weil es eben nicht Limburg ist.

    Der Bau ist doch völlig in Ordnung. Jetzt sollte bitte einmal geklärt werden, welche Kritikpunkte nun belastbar sind, ob und welchen Verfehlungen sich der Bischof nun schuldig gemacht haben mag und was er und wir daraus lernen sollten. Es ist an der Zeit, dass seine Kritiker auch einmal einen Schritt auf Ihn zu machen. Was waren die Unterschriften des Domkapitels auf der gemeinsamen Erklärung mit Kardinal Lajolo noch wert, als Papst Franziskus seine für die Kritiker unbequeme Entscheidung verkündete? Nichts: Es wurde sofort eine Pressekonferenz abgehalten und nochmals unterstrichen - allen voran durch den Stadtdekan von Frankfurt Graf Johannes zu Eltz - dass man sich eine weitere Zusammenarbeit nicht vorstellen könne, dass es überhaupt kein Verhältnis zwischen Domkapitel und Bischof gäbe. In der Tagesschau radelt der Stadtdekan nun durch die Stadt... Ein Schuft, der Böses dabei denkt. Das Sägen geht weiter. Und die Zweckentfremdung des Gebäudes macht es auch nicht besser. Traurig.

  • Natürlich darf man für solche Zwecke wie eine Obdachlosenunterkunft ohne schlechtes Gewissen jetzt noch mal Geld in die Hand nehmen. Denn das ist wenigstens ein greifbarer Zweck. Und nicht das Schwurbeln über einen erfunden Gott in einem "Diözesanem Zentrum" oder Wohnsitz für einen Bischof der diesem erfunden Gott dient.

  • Als Limburger Altstadtbewohner, der das Anwesen auch von innern kennt, frage ich mich, was diese Diskussion jetzt soll.

    Das Diazösane Zentrum ist ohne weitere Investtionen weder als Obdachlosenunterkunft noch als Café oder sonstiges zu nutzen. Wer soll dafr jetzut noch geld in die Hand nehmen.

    Auch die Herren des Domkapitals (wird wohl nur ein ganz bestimmter Herr sein, der unter TvE zu Recht seines hohen Amtes beraubt wurde) täten gut daran, einmal inne zu halten.

    Ist es denn wirklich notwendig, sich täglich neu mit jedem noch so abstrusen Gedanken, in der Presse zu inszenieren und das Bistum in den medien zu halten? ich denke, wir haben auch so schon genug Probleme und Unruhe im Bsistum und unter den Gläubigen.

  • Ja klar, und den 7er-BMW von seiner Exzellenz wird den Roma-Großfamilien samt Fahrer zur beliebigen Nutzung zur Verfügung gestellt. Und den Garten dürfen sie als Kinderspielplatz nutzen. Und in der bischöflichen Kapelle dürfen sie dann feste Feste feiern.

  • Hach, sind sie witzig..

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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