Teures Spielzeug
Aufgeblähtes Jacht-Vergnügen

Multimilliardäre können sich teures Spielzeug leisten. Multimillionäre dürfen zumindest eine Woche mitspielen. „Zillionaire“ Tom Perkins, zum Beispiel, ist schon zur Arktis, zur Antarktis und zu einigen Punkten dazwischen gesegelt.

DÜSSELDORF. Tom Perkins hat viele Talente – und einen gewissen Hang zur Großspurigkeit. Als er in einer Fernsehserie auftreten sollte (ein ähnliches Format wie die Heiratskandidaten-Sendung „Der Bachelor“) sagte er ab und schrieb stattdessen ein Buch: „Sex and the Single Zillionaire“. Und Perkins ist ein echter Zillionaire. Er war nicht nur der erste General Manager von Hewlett-Packard. Und der Risikokapitalgeber hinter kleinen Start-up-Firmen wie Amazon oder AOL. Außerdem ist er schon zur Arktis, zur Antarktis und zu einigen Punkten dazwischen gesegelt.

Perkins wäre nicht der viel bestaunte und viel beneidete Supersuper-Reiche, wenn er sich nicht zudem eine der größten Segeljachten der Welt hätte bauen lassen: die „Maltese Falcon“. Fünf Jahre brauchte es, bis das 88-Meter-Monstrum vom Stapel laufen konnte. Es ist die drittgrößte Privatjacht und glänzt innen wie halb Dubai. Herein kommt man durch ein Atrium – wir sprechen über eine Jacht! Auf dem Tisch im Salon ist ein riesiges Bugatti-Modell aus Porzellan aufgebaut. Zudem gibt es eine kreisrunde Bar und Tische aus Kohlefaser – und überhaupt ist alles so herrlich großkotzig zusammengewürfelt, dass man sich vorkommt wie in einem skurrilen schwimmfähigen Panoptikum.

Apropos Panoptikum: Der Antrieb der Jacht greift natürlich auf ein seltenes und leicht schräges Patent zurück. Es heißt „Dyna-Rigg“ und wurde in den 60er-Jahren von dem deutschen Maschinenbau-Ingenieur und Hydraulik-Spezialisten Wilhelm Prölss entwickelt.

Der hatte schon früh geahnt, dass die Ölvorkommen nicht ewig halten würden, und erfand eine Segelform, mit der Frachter mit Wind statt Schraube durch die Meere pflügen sollten. Er verwendete eine Kombination aus Rahsegeln, also solchen, die an einer oberen und unteren Querstrebe verankert sind. Mehrere Riggs wurden zu einem lückenlosen Vorhang zusammengeschnürt. Und zum Manövrieren wurden die Segel an drehbaren Masten befestigt.

Leider setzte sich Prölss’ Idee nie durch und verstaubte in den Archiven. Bis Perkins kam. Die „Maltese Falcon“ trägt an jedem ihrer drei Masten fünf Segel zwischen sechs Rahen. Insgesamt ist die Segelfläche so groß wie 600 Bettlaken: 2 400 Quadratmeter.

Und wer in seinen Sommerurlaub so viel investieren will wie in eine mittelgroße Jacht deutscher Provenienz, der darf Perkins’ Schiffchen auch mieten. Für 325  000 Euro können sich zwölf Gäste von einer 16-köpfigen Crew eine Woche lang durch die Weltmeere schippern lassen.

Eine Woche brauchte Perkins auch, um den Entwurf zu seinem Buch zu schreiben. In einem zweiwöchigen Urlaub hätten Sie also die Chance, das volle Zillionaires-Programm durchzuspielen.

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