Thronfolge
Kein Ende in Sicht

Auch wenn Königin Elizabeth II. bereits ihren 80. Geburtstag feiert: Absichten, ihrem ältesten Sohn Charles Platz zu machen, hat sie nicht. Von der niederländischen Variante hält sie wenig.

HB LONDON. Die seit 53 Jahren amtierende Queen sieht im Thron eine Lebensaufgabe und schließt eine Abdankung strikt aus. Und auch die hartnäckigsten Anhänger einer Republik müssen einsehen, dass angesichts der ungebrochenen Beliebtheit der Königin und ihrer robusten Gesundheit eine Abschaffung der Monarchie ein aussichtsloses Unterfangen wäre.

Dabei sah es in den 90er Jahren gar nicht so rosig für die Königin aus: Nach zahlreichen Skandalen und gescheiterten Ehen präsentierten sich die Windsors als zerrüttetste Familie des Landes. Einen Tiefpunkt erreichte die Popularität der Queen nach dem tödlichen Autounfall von Prinzessin Diana 1997. Viele Briten warfen ihrer Monarchin vor, sich nicht genug an der öffentlichen Trauer um die beliebte Ex-Frau von Charles beteiligt zu haben. Ein Vorwurf, den Biograph Robert Lacey nicht gelten lässt: Die Königin habe sich zurecht zunächst um die Kinder Dianas, William und Harry, gekümmert. „Dass sie bei ihren Enkelkindern blieb, sie vor der Welt schützte, hat ihre Popularität auf einen Tiefpunkt gebracht. Heute scheint ihr Handeln als korrekte und vorrangige menschliche Pflicht bestätigt worden zu sein.“

Im Umfragen sprechen sich nur zehn Prozent der Untertanen für eine Abdankung der Queen aus. Sie absolviert jedes Jahr ein umfangreiches Repräsentationsprogramm. Insbesondere kümmert sie sich um den Zusammenhalt des Commonwealth, den Zusammenschluss der früheren britischen Kolonien. Und dies offenbar so erfolgreich, dass selbst der Chef der Initiative für ein gewähltes Staatsoberhaupt, Professor Stephen Haseler, vorläufig seine Hoffnungen begräbt. „Wir werden keine Republik haben, solange die Königin lebt“, sagt er. Erst wenn Elizabeth nicht mehr da sei, gehe die Debatte über die Monarchie richtig los.

Spekulationen über einen Schattenkönig Charles werden am Hof zurückgewiesen: „Es ist nicht vorgesehen, dass der Prinz mehr Pflichten von der Königin übernimmt. Eine Abdankung ist keine Option“, heißt es. Zumal die Queen angesichts eigener persönlicher Erfahrungen nichts von der niederländischen Variante hält, nach denen Königinnen zu Gunsten ihrer Kinder abtreten. „Es geht darum, mit der Aufgabe, die man zu erfüllen hat, zu reifen und die Tatsache zu akzeptieren, dass es Schicksal ist. Ich glaube, dass Kontinuität sehr wichtig ist. Es ist eine Lebensaufgabe“, sagte sie in den 90er Jahren einmal in einer Fernsehdokumentation über die Art und Weise wie ihr Vater 1936 auf den Thron kam. Georg VI. musste völlig unvorbereitet und gesundheitlich angeschlagen seinem älteren Bruder Edward VIII. nachfolgen. Dieser war wegen seiner Heirat mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson zur Abdankung gezwungen worden.

Eine solche Thronbesteigung dürfte dem 57-jährigen Charles erspart bleiben, meint Hof-Biographin Penny Junor: „Die Queen ist fit wie ein Turnschuh, geistig voll auf der Höhe. Sie genießt ihre Aufgabe und dafür ist sie da“. Und so könnte sie noch mindestens ein Jahrzehnt weitermachen: Ihre Mutter wurde schließlich 101.

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