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Tickende Zeitbombe: Plastikmüll verseucht Nord- und Ostsee

Die Meere verkommen zur Müllkippe. Allein in die Nordsee gelangen jedes Jahr 15.000 Tonnen Plastikmüll. Nicht nur für Tiere wird dies zur tödlichen Gefahr - auch den Menschen erreichen die Giftstoffe.

Helgoland

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Eine Radfahrerin passiert an der Uferstraße "Schlachte" in Bremen den in einem Jahr auf der Weserinsel Lankenau eingesammelten Plastikmüll. Jährlich landen 15 000 Tonnen Müll in der Nordsee. Ein Großteil davon wird über die Flüsse, ins Meer getragen. Quelle: dpa
Eine Radfahrerin passiert an der Uferstraße "Schlachte" in Bremen den in einem Jahr auf der Weserinsel Lankenau eingesammelten Plastikmüll. Jährlich landen 15 000 Tonnen Müll in der Nordsee. Ein Großteil davon wird über die Flüsse, ins Meer getragen. Quelle: dpa

Plastik ist aus vielerlei Gründen praktisch und kommt in nahezu in allen Lebensbereichen zum Einsatz. Doch eine gewaltige Menge der langlebigen Stoffe landet über kurz oder lang im Meer, auch in Nord- und Ostsee. Dort werden sie zum massiven Problem. „Mit Polyethylen beispielsweise verhält es sich ähnlich wie mit anderen so in der Natur nicht vorkommenden, künstlich hergestellten chemischen Verbindungen. Es kann praktisch so gut wie nicht abgebaut werden“, sagt der Mikrobiologe Gunnar Gerdts von der Biologischen Anstalt Helgoland.

„Etwa 20 000 Tonnen Müll landen pro Jahr schätzungsweise allein in der Nordsee“, sagt Meeresschutzreferent Kim Cornelius Detloff vom Naturschutzbund. Drei Viertel davon sei Plastik. Rund 600 000 Kubikmeter Müll vermuten Experten auf dem Boden der Nordsee. Das entspricht dem Volumen von 200 olympischen Schwimmbecken mit 50-Meter-Bahnen. Der Großteil des Plastikmülls in der südlichen Nordsee stammt von Schiffen. Ein Teil der über Bord gekippten Abfälle bestehe weiter aus Plastik, obwohl dessen Verklappung mittlerweile verboten sei, sagt Detloff.

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Auf der Ostseeinsel Fehmarn haben Umweltschützer bei Untersuchungen mehrerer 100 Meter langer Küstenabschnitte im Schnitt 92 Müllteile gefunden, mehr als 60 Prozent waren aus Plastik. An der Nordseeküste wurden sogar schon mehr als 700 Teile je Abschnitt festgestellt. Doch nur 15 Prozent des im Meer entsorgten Kunststoffes wird wieder an den Küsten angespült. „Schätzungen zufolge treiben weitere 15 Prozent weiter durchs Wasser. 70 Prozent des Plastiks sinken auf den Meeresgrund“, sagt Detloff.

Abgebaut werden die Stoffe im Meer nicht. Dafür werden die einzelnen Plastikteile durch die Einwirkungen von Salzwasser, UV-Strahlung und auch durch Reibung ständig kleiner. „Schätzungen gehen davon aus, dass 90 Prozent des Plastikmülls in den Meeren kleiner als fünf Millimeter im Durchmesser sind“, sagt Detloff. Klein genug, um von Muscheln, Krebsen oder Fischen gefressen zu werden. Bis zu einer Million Seevögel und 100 000 Meeressäuger sterben laut Umweltschützern jährlich den Plastiktod. Bei einem Magen voller Plastik verhungern sie auf tragische Weise. Eine einzelne Plastiktüte beispielsweise kann für eine Meeresschildkröte das Todesurteil bedeuten. Fische sterben in alten Fischernetzen.

Blauer Engel etc. Wichtige Umwelt- und Ökolabels in Deutschland

Blauer Engel

Seit 1978 zeichnet die Jury Umweltzeichen mit dem Blauen Engel Produkte und Dienstleistungen aus, die im Vergleich zur Konkurrenz besonders umweltfreundlich und gesundheitsschonend hergestellt sind. In den letzten Jahren hat die Bekanntheit zwar leicht abgenommen, trotzdem kennen den Blauen Engel laut Umweltbewusstseinsstudie immer noch knapp 80 Prozent der Deutschen*. Im Lebensmittelbereich gibt es das Umweltzeichen bisher nicht.

* Umweltbewusstseinsstudie 2010, repräsentative Bevölkerungsumfrage im Auftrag von Umweltbundesamt und Bundesumweltministerium

Bild: dpa

„Bislang ist noch wenig darüber bekannt, welche Auswirkungen Plastik in Organismen genau hat“, sagt Mikrobiologe Gerdts. Allerdings hätten Experimenten bereits nachgewiesen, dass die Aufnahme von winzig kleinen Plastikteilen in hoher Konzentration zu Entzündungen führen könne. In den Magen-Darm-Trakten von 95 Prozent der tot angespülten und untersuchten Eissturmvögel konnte Plastik nachgewiesen worden, sagt Nabu-Experte Detloff.

„Ein großes Problem ist, dass die Mikroplastik-Artikel lipophile (fettlösliche) Schadstoffe wie einen Schwamm aufsaugen“, sagt der Toxikologe Edmund Maser vom Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein. Das betreffe neben Weichmachern beispielsweise das als krebserregend geltende PCB oder das Insektizid DDT. Fressen Meerestiere diese Partikel, weil sie diese fälschlicherweise für Plankton halten, nehmen sie die Schadstoffe auf. „Für den Menschen bedeutet es, dass er durch den Verzehr von solchen Meerestiere eben mehr dieser Schadstoffe aufnimmt. Viele dieser Schadstoffe beeinträchtigen auch das Hormonsystem. Es ist zur Zeit nicht einschätzbar, ob sich diese endokrinen Effekte auch auf den Menschen auswirken, aber die Gefahr besteht.“

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sieht die Vermüllung der Meere mit Sorge. „Es kann nicht sein, dass Meeressäuger und Seevögel sich in Abfall verheddern, dass sie Plastikteile anstelle von Fisch im Magen haben, sich kleinste Kunststoffteile in der Nahrungskette anreichern - nur, weil die Meere zu Müllhalden werden“, sagt er.

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Auf Helgoland läuft derzeit ein Forschungsprojekt Microplast. Mit einem Infrarot-Spektrometer wollen die Wissenschaftler untersuchen, wie viel Plastik etwa in einer Nordseekrabbe steckt. Der NABU setzt auf die Öffentlichkeitswirkung eines auf Fehmarn gestarteten Littering-Projekts. Mittlerweile beteiligen sich auch Hafen Sassnitz auf Rügen und vier niedersächsische Häfen daran. Fischer entsorgen dort mit ihren Netzen aus dem Meer gefischtes Plastik. Gut eine Tonne sei bereits aus dem Meer geholt worden, sagt Nabu-Referent Detloff.

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  • 11.02.2013, 08:45 UhrFredi

    Nicht nur die Nordsee, auch dne Atlantik. Ja, da werden wohl die Kreuzfahrtschiffe auch ihren Anteil dazu beitragen!

  • 10.02.2013, 17:01 UhrJosefSpitz

    Man wieder ein typischer Alarmistenartikel mit lauter fragwürdigen Behauptungen ohne jeglichen Beweis.

    Eine davon greife ich mal heraus:

    ..."Bis zu einer Million Seevögel und 100 000 Meeressäuger sterben laut Umweltschützern jährlich den Plastiktod..."

    Wie kommen Sie auf diese Zahlen?
    Für welche Gebiete gelten diese Zahlen?
    Wer hat das nach welchen wissenschaftlichen Methoden untersucht?
    Wer sind "Umweltschützer", die solche Behauptungen aufstellen?

    Fragen über Fragen.
    Ein mieser Artikel.

  • 10.02.2013, 15:33 UhrUMWELTKILLERDUPONT

    Tja hier sehen wir Du Pont´schen Patente aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts. Die Nylonfaser wurde propagiert, gleichzeitig die nicht umweltbelastende Hanffaser bis heute dämonisiert. Jahrtausende alte hochwirksame Hanfmedizin verboten auf dem gesamten Planeten u. durch schädliche umweltbelastende Chemiemedizin mit oftmals tödlichen Nebenwirkungen für Patienten zu Gunsten der Chemie u. Pharmaindustrie ersetzt. Länder wie Bhangladesh (Bhang=Hanf ladesh=Landbewohner also Hanflandbewohner) wurden in unserem Sprachgebrauch zu Bangladesch=Bengalenlandbewohner zur Volksverdummung um gedeutet. Machen wir uns nichts vor, unsere Politiker treffen schon lange keine vernünftigen Entscheidungen mehr, wenn es um die Gesundheit der Menschen geht.

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