Tierseuchen
Vogelgrippe erreicht erste deutsche Großstadt

Die Vogelgrippe ist in Mannheim nachgewiesen worden und damit erstmals in einer deutschen Großstadt. In Berlin ist die Tierseuche quasi vor den Toren angekommen. Auf der Ostseeinsel Rügen entspannt sich die Lage unterdessen.

HB MANNHEIM. Das Friedrich-Loeffler-Institut habe das H5N1-Virus bei einer Wildente in Mannheim bestätigt, teilte das baden-württembergische Agrarministerium am Freitag in Stuttgart mit. Um den Fundort wurde im Radius von drei Kilometern ein Sperrbezirk eingerichtet. Der Umkreis von zehn Kilometern gilt als Beobachtungsgebiet. Im Sperrbezirk befinden sich Teile des Stadtkreises von Mannheim und von Ludwigshafen. Der Beobachtungsraum erstreckt sich damit bis hinein nach Rheinland-Pfalz und Hessen.

Gemäß einer Eilverordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums müssen in beiden Zonen Hunde angeleint werden, Katzen dürfen nicht mehr ins Freie gelassen werden. In der engeren Sperrzone darf zudem kein Unbefugter mehr einen Geflügelbetrieb betreten. Die Verordnung gilt ab Samstag bundesweit für alle Sperr- und Überwachungszonen.

In unmittelbarer Nachbarschaft Berlins wurde bei einem in Wandlitz gefundenen Bläßhuhn der gefährliche Erreger nachgewiesen, im Kreis Märkisch-Oderland bei einem Schwan und im Landkreis Potsdam-Mittelmark bei einem Turmfalken. Es werde im Friedrich-Loeffler-Institut noch geprüft, ob es sich um die hochansteckende asiatische Variante der Krankheit handele, teilte die brandenburgische Regierung mit. Brandenburg hatte bereits in den vergangenen Tagen erste Fälle von Vogelgrippe gemeldet. Die Überwachungszonen reichen in allen Fällen noch nicht bis in die Bundeshauptstadt.

In Mecklenburg-Vorpommern gab es positive Befunde bei drei Wildvögeln von der Insel Rügen und zwei Wildvögeln aus dem Landkreis Nordvorpommern. Am Bodensee wurde bei einer verendeten Tafelente in Allensbach im Landkreis Konstanz die Seuche festgestellt. Die Zahl der mit dem H5N1-Erreger infizierten Wildtiere stieg damit in Deutschland auf rund 150.

Die Lage auf Rügen, dem Seuchen-Schwerpunkt, entspannte sich. Rund 120 Bundeswehrsoldaten wurden am Freitag abgezogen. Bis Samstag sollten nur noch die ABC-Abwehrkräfte bleiben, einige Veterinäre bis über das Wochenende. Die Bundeswehr will aber Einsatzkräfte in Bereitschaft halten. Zwischenzeitlich waren auf Rügen mehr als 300 Soldaten im Einsatz gewesen, um beim Einsammeln toter Vögel, beim Absperren der Fundstellen und der Desinfizierung von Fahrzeugen zu helfen.

Eine Sprecherin des Landratsamts sagte, die Vogelkadaver an der Küste seien weitgehend aufgesammelt. Die gesamte Insel bleibt aber Schutz- und Überwachungszone. Auch der Strandabschnitt nahe der Wittower Fähre bleibt gesperrt.

Die Geflügelwirtschaft beklagte schwere Einbußen infolge der Vogelgrippe. Der Sprecher des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft, Thomas Janning, sagte im ZDF, seit Herbst vergangenen Jahres sei die Nachfrage nach Geflügel um 15 bis 20 Prozent zurückgegangen. „Nach ersten Berechnungen ist das ein Verlust von 143 Millionen Euro.“

Die Länder lehnten derweil die von Bundesagrarminister Horst Seehofer angeregte erneute Sondersitzung ihrer Gesundheitsminister ab, da sich die Gefahr einer Pandemie nach der bei einer Katze nachgewiesenen Infektion nicht verändert habe. Dies teilte das Ministerium in Sachsen-Anhalt mit, das den Vorsitz in der Gesundheitsministerkonferenz hat. Am Donnerstag soll in Berlin aber die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft zur Pandemievorsorge zusammenkommen.

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