Tim Mälzer
„Wenn ich wiedergeboren werde, dann gern als Kobe-Rind“

Tim Mälzer ist das erste Mal nach Japan gereist. Handelsblatt-Korrespondent Jan Keuchel traf ihn in Tokio und sprach mit ihm über Essen, die Japaner, seine Kritiker – und den Buddhismus.
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Es ist noch immer drückend heiß in den Straßen von Tokio, Tim Mälzer und seine Crew schleppen sich in ein modernes Gebäude im Stadtteil Chiyoda. Im Haus befindet sich das Hauptquartier von Kai, einem japanischen Messerhersteller, der eine Mälzer-Serie auf den Markt gebracht und ihn nun zum Show-Kochen eingeladen hat. Die Messer: feinster Walnussgriff an blinkender Klinge. Tim Mälzer: schwarzes Hemd über der Jeans, er ist braun gebrannt, aber auch leicht abgekämpft. Später erzählt er, dass er frühmorgens Japans berühmten Fischmarkt Tsukiji und dessen Thunfischauktion besichtigt hat. Und natürlich gleich vor Ort Thunfisch-Sashimi (rohes, hauchdünn geschnittenes Fleisch) gekostet hat.

Tim Mälzer, sie sind - kaum zu glauben - das erste Mal im Land von Sushi und Sashimi. Was waren die ersten drei Eindrücke von Japan, die hängen geblieben sind?

Tim Mälzer: Staubsaugen am Bahnhof. Der Bahnhof wurde von vier rosa gekleideten Menschen gleichzeitig gestaubsaugt. Wenn man das sieht, fragt man sich: Wie dreckig müssen die Japaner das bei uns Deutschen finden. Zweiter Eindruck: Wie stark sich hier an Regeln gehalten wird, von höflichen Umgangsformen bis hin zu Verboten. Hier raucht keiner, wo nicht geraucht werden darf. Hier wird der gesamte Müll eingesammelt, nichts auf den Boden geschmissen. Das mag, wenn man hier lebt, sehr restriktiv sein, für mich als ersten Eindruck finde ich das eine sehr gute Sache. Weil man sein Umfeld mehr respektiert, als wir Deutschen das manchmal tun.

Und Eindruck Nummer drei?

Mälzer: Die unglaubliche Gastfreundschaft. Ich folge hier einer beruflichen Einladung, aber ich habe auch viele private Dinge erleben dürfen, von der Teezeremonie bis hin zu fantastischem Essen. Eine unglaubliche Freundlichkeit. Das war wirklich beeindruckend.

Immerhin, sie erwähnen zumindest an Punkt drei das Essen. Wie kann es sein, dass sie erst jetzt hierher finden, in die Stadt mit dem meisten Michelin-Sternen der Welt. 234 um genau zu sein, elf Restaurants haben gar drei.

Das wundert mich selber. Japan war immer ein Traum für mich. Aber es ist doch so weit weg, im Kopf viel weiter als die 11 Flugstunden. Vielleicht liegt es auch daran, dass es teuer ist, wobei ich das ländliche Japan noch ganz ok finde, aber das tokiotische ist echt teuer. Ich gehe allerdings eh fast nie in Sterne-Läden essen, denn ich finde, die sind vom Essen her fast immer gleich.

Das heißt, sie waren hier wirklich noch in keinem Sterne-Restaurant?

Nee. Oder war da eins dabei? (Frage an die Übersetzerin). Nee. Ich gehe gerne in Produkt-Läden, und das Vergnügen hatte ich hier. Wir hatten Aal, Soba, wir waren nur in Spezialitäten-Restaurants, die nicht mehr als fünf Gerichte auf der Speisekarte hatten.

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  • Dass Tim Mälzer den Koch-Hype überstehen würde und nebenbei internationaler Kochtopf-Star wird, war nicht abzusehen, da er auf mich immer eher den Eindruck eines Schönwetter-Kochs macht! Nach diesem interview jedoch muss ich meine Meinung wohl revidieren und ich frage mich, ob es an den pointierten Fragen des Korrespondenten gelegen hat oder an den Antworten, dass ich den Eindruck nicht loswerden kann, dass der Kerl wirklich sympathisch und kompetent ist! Nebenbei bemerkt habe ich sehr große Lust verspürt, direkt den nächsten Flug nach Tokio zu besteigen, um all die Restaurant Tipps auszuprobieren (Herr Keuchel, wenn Sie Zeit hätten, hätte ich Sie gerne an meiner Seite!)! Also, viel Glück, Herr Mälzer mit dem Verkauf der brombeer-begrifften Messer, einem neuen Restaurant in Tokio und bitte, bei nächster Gelegenheit sollten Sie Dollase einfach mal die Meinung sagen - der Typ kann doch Kobe nicht von Cordon (bleu) unterscheiden! itadakimásu, Herr Keuchel!

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