Titel Weltkulturerbe in Gefahr
Dresden baut umstrittene Elbbrücke

Nach jahrelangem juristischen Tauziehen hat der Bau der umstrittenen Waldschlößchenbrücke im Dresdner Elbtal begonnen. Die Kommune läuft dadurch Gefahr, den prestigeträchtigen Titel des Unesco-Weltkulturerbes zu verlieren.

HB DRESDEN. „Die ersten Baufahrzeuge sind vor Ort“, teilte ein Stadtsprecher am Montag mit. Mehrere Firmen seien dabei, vorbereitende Arbeiten auszuführen. Begleitet wurde der Baubeginn von kleineren Protesten.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) rief das Land Sachsen auf, Nachbesserungen an dem Bauwerk zuzulassen, um die drohende Aberkennung des Unesco-Welterbetitels doch noch abzuwenden.

Nach Angaben der Stadt begannen Baufirmen damit, die Trasse zu markieren. Rund ein Dutzend Brückengegner demonstrierte an der Baustelle. Auf Transparenten hieß es: „Rettet das Weltkulturerbe“ und „Kein Baubeginn!“. Nach Polizeiangaben gab es keine Zwischenfälle.

Die Uno-Organisation für Kultur befürchtet, dass mit der geplanten Brücke eine einmalige Flusslandschaft verschandelt wird. Das Gremium hatte angekündigt, Dresden den Welterbe-Status abzuerkennen, sollte die Brücke errichtet werden. Die Entscheidung soll spätestens Mitte 2008 fallen. Am Sonntag hatten noch einmal rund 2000 Menschen gegen den Brückenbau und für den Erhalt des Weltkulturerbes demonstriert.

Vorausgegangen war dem Baubeginn ein langer Streit in der Stadt selbst und vor den Gerichten. Zuletzt hatte das sächsische Oberverwaltungsgericht einen im Sommer verhängten Baustopp aufgehoben. Es lehnte Eilanträge von Naturschützern zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Fledermausart Kleine Hufeisennase ab. Die Entscheidung in der Hauptsache steht noch aus, dies hat aber keine den Bau aufschiebende Wirkung.

Tiefensee rief Sachsens Regierungschef Georg Milbradt (CDU) auf, zu seinem Wort zu stehen und Änderungen an der Brücke zuzulassen, um den Status zu erhalten. „Der Bau ist keine Angelegenheit von Dresden oder Sachsen, sondern eine Angelegenheit von nationaler Bedeutung.“ Milbradt hatte sich nach lange kompromissloser Haltung vor kurzem für kleinere Veränderungen an dem Projekt ausgesprochen. Es gilt derzeit als wenig wahrscheinlich, dass dies der Unesco ausreichen könnte. Die Uno-Kulturorganisation hatte von Deutschland Alternativ-Entwürfe gefordert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%