Tod Cornelius Gurlitts
Sammlung geht in die Schweiz

Nach dem Tod von Cornelius Gurlitt geht der Krimi um seinen Millionenschatz zu Ende. Denn jetzt ist klar: Der 81-Jährige vermachte die Sammlung dem Kunstmuseum Bern in der Schweiz.
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MünchenNach dem Tod des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt beginnt das Rätseln über die Zukunft seiner wertvollen Kunstsammlung. Die millionenschwere Bildersammlung von Cornelius Gurlitt geht an das Kunstmuseum Bern in der Schweiz. Dies teilte das Museum am Mittwoch mit.

Bereits zuvor hatten die „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch) und der Norddeutschen Rundfunks (NDR) berichtet, dass der 81-Jährige seine gesamte Bildersammlung einer Kunstinstitution im Ausland vermacht hat und bezogen sich dabei auf das Testament, das der 81-Jährige vor wenigen Monaten in einem Krankenhaus gemacht haben soll. Darin sei verfügt worden, dass die Sammlung zusammenbleiben müsse und dass keiner seiner entfernten Verwandten die Bilder bekommen soll.

Der Tod des Kunstsammlers werde die Verhandlungen über die Rückgabe von Bildern nach Ansicht des Berliner Rechtsanwalts und Kunstexperten Peter Raue nicht erschweren. Gurlitts Vertrag mit der Bundesregierung und Bayern, wonach mögliche Nazi-Raubkunst an Nachfahren jüdischer Sammler zurückgegeben werden soll, gelte über den Tod hinaus, sagte Raue am Mittwoch der dpa. „Ich glaube nicht, dass es sehr viel komplizierter wird.“

Gleichgültig ob eine Stiftung oder Verwandte das Erbe anträten – oder nun eben das Kunstmuseum Bern –, sie seien an diese Vereinbarung gebunden, da sie alle Rechte und alle Pflichten des Verstorbenen übernehmen müssten. „Auch im Ausland wird sich aus meiner Sicht nichts an der Vereinbarung ändern“, sagte Raue.

Die Behörden bestätigen diese Sichtweise: Die Vereinbarung Gurlitts mit der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern sei auch für die Erben bindend, teilte das bayerische Justizministerium mit. Anders sieht es der Jurist Anton Steiner.

Der Präsident des Deutschen Forums für Erbrecht glaubt, dass es in der Abwicklung sicherlich noch viele Probleme geben werde. Denn mit dem Tod von Herrn Gurlitt sei das Grundproblem nicht gelöst. Schwierig sei insbesondere die Abgrenzung zwischen Raubkunst und legitimem Erbe.

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Sammlung geht in die Schweiz

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Vereinbarung auch für Gurlitts Erben bindend

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  • Es ist durchaus als weise Entscheidung zu deuten die Bilder nicht in Deutschland zu belassen, hier würde man sie nur auf ein Zeitalter einordnen, welches nicht so rosige Geschichte geschrieben hat , hinter jedem" Pinselstrich " würden einfache Zeitgenossen eine verbale Zuordnung setzen , obwohl diese Kunst ein viel größeres Zeit Spektrum abdeckt als diese oben erwähnten Einfachen Gemüter überblicken können .
    Nicht die Kunst wär in Deutschland im Mittelpunkt , die negativ behaftetet Geschichte zu diesen Bilder wär es und das hat diese Kunst einfach nicht verdient !

    Eine Geniale Entscheidung des Herrn Gurlitt , meinen Respekt dafür !!!!

  • Wer zu spät kommt den straft nach Gorbatschow bekanntlich das Leben.

    Unser Staat hätte bereits kurz nach dem Krieg Nachforschungen über den Verbleib der geraubten Bilder anstellen und Hitlers ehemalige Kunsthändler unter die Lupe nehmen müssen. Statt dessen hat er mit reichlicher Verspätung gegenüber einem Nachkommen früherer Täter aus Neid und Gier eine gnadenlose mediale Hetzjagd zugelassen, welche nun den Tod des Kunstsammlers möglicherweise beschleunigt hat.

    Mit etwas mehr Verständnis und Einfühlungsvermögen in einen unbedarften, weltfremden alten Mann, wäre die Kunstsammlung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in Bayern geblieben und einem Museum in München zugefallen.

    Ein kleiner Trost mag sein, dass sich Deutschland mit einem solchen Erbe wegen der Belastung aus der Vergangenheit nur Probleme und unzählige berechtigte und unberechtigte Rückgabeansprüche eingehandelt hätte.

  • zitiert aus HB 4.12.13:

    "... Kunsthistorikerin Sibylle Ehringhaus hat die vollständige Rückgabe der beschlagnahmten Kunstsammlung (an) Cornelius Gurlitt gefordert...Die Bilder gehören Gurlitt, die Sammlung muss so schnell wie möglich an ihn zurückgegeben werden - und zwar komplett. Das Vorgehen der Augsburger Staatsanwaltschaft bezeichnete sie als „äußerst fragwürdig“.
    Der Staat habe einen Fehler begangen, den er wieder gutmachen sollte, meinte Ehringhaus. „Gleichzeitig muss er für den Schutz des Mannes sorgen, dessen Leben völlig aus den Fugen geraten ist.“

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