Todesfälle durch Arzneimittel
Kritik an Ausbildung der Ärzte wächst

Angesichts tausender Todesfälle durch Arzneimittel in deutschen Kliniken pro Jahr wächst die Kritik an Wissenslücken der Ärzte und ihrer Ausbildung. Beim Medizin-Studium werde die Klinische Pharmakologie zu sehr vernachlässigt, sagte der Forscher an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Jürgen Frölich, am Montag.

HB/dpa HANNOVER. Sein Bericht über das Ausmaß der Todesfälle wird zugleich aber auch angezweifelt. Unerwünschte Arzneimittel-Wirkungen sind laut Frölich für jährlich 58 000 Tote allein in internistischen Stationen in Deutschland verantwortlich. Ärzte machten häufig Fehler bei der Behandlung mit Medikamenten.

Der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery, kritisierte, „die Zahlen sind nicht seriös und dienen nur dazu, Patienten zu verängstigen“. Auch die niedersächsische Ärztekammer und das Institut für Klinische Pharmakologie in Bremen hielten die Zahl für zu hoch. Sie kritisierten allerdings auch die Ausbildung der Medizinstudenten.

Nach Aussagen Montgomerys grenzt es an Verantwortungslosigkeit, Menschen Angst vor einer Krankenhaus-Behandlung zu machen. „Ich warne davor, aus irgendwelchen Studien Horror-Rechnungen aufzustellen.“ Frölich wolle vor allem sein Fach in den Vordergrund spielen. Der Bremer Pharmakologe Wille sagte, „die Zahlen sind vielleicht etwas zu hoch angesetzt für unser Land“. Das Institut in Bremen war bislang von bis zu 20 000 Toten ausgegangen. Der neue Bericht über drei fach höhere Zahlen bedeute aber „keine neue Dimension“. Solche Erhebungen seien fehleranfällig.

"Fähigkeiten der Ärzte reichen nicht aus"

„Die Aus- und Fortbildung der Ärzte ist nicht optimal“, meinte der Bremer Pharmakologe, Hans Wille. „Es wird zu wenig an unerwünschte Arzneimittel-Wirkungen gedacht.“ Der Sprecher der AOK Niedersachsen, Klaus Altmann, sagte: „Es bestehen erhebliche Wissensdefizite bei Ärzten.“ Als „viel zu praxisfern“ kritisierte die Vizepräsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Cornelia Goesmann, das Medizinstudium. Eine neue Approbationsordnung von diesem Oktober an soll aber Verbesserungen für die Ausbildung bringen.

Der MHH-Professor Frölich sagte, die Fähigkeiten der Ärzte in der Arzneimittel-Therapie reichten nicht aus. „Wir müssen einen viel höheren Standard erreichen.“ An den medizinischen Fakultäten in Freiburg, Marburg, Würzburg und Mainz fehlten noch immer Abteilungen für Klinische Pharmakologie. Medikamente seien viel häufiger als bisher angenommen Ursache für den Tod von Patienten, betonte der Leiter des Instituts für Klinische Pharmakologie an der MHH. Er hatte eine norwegische Studie auf Deutschland übertragen und die Zahl von 58 000 Todesfällen durch Arzneimittel errechnet.

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