Todestag von Prince: „Manchmal schneit es im April“

Todestag von Prince
„Manchmal schneit es im April“

Songs wie „Purple Rain“ und „Kiss“ machten ihn zur Legende. Vor einem Jahr starb der Musiker überraschend mit nur 57 Jahren. Prince fehlt - aber nirgendwo so sehr wie in seiner Heimat Minneapolis.
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MinneapolisWas von Prince noch übrig ist, wird gleich doppelt von den weißen Mauern Paisley Parks geschützt. Ein Miniaturmodell des Anwesens, geschmückt mit dem lilafarbenen Symbol, das der Sänger eine Zeit lang als Pseudonym verwendete, steht in einem Kasten aus mattem Glas hoch an der Wand über dem Atrium des Gebäudes. Darin wird seine Asche aufbewahrt. Durch die Oberlichter schimmert die trübe Sonne Minnesotas in den Raum, der plüschige Teppich ist mit Sonnen, Monden und Sternen verziert, die Wände sind mit hellblauem Himmel und weißen Wolken bemalt. Auf der Galerie im ersten Stock sitzen weiße Tauben in Volieren.

„Prince hat in diesem Raum viel Zeit verbracht und sich hier sehr wohlgefühlt“, sagt Mitch, der eine Gruppe Besucher durch das Anwesen führt. „Also fühlte seine Familie, dass dies ein guter Platz für seine Urne wäre.“ Mitch deutet auf zwei Beistelltischchen mit Taschentuchschachteln. „Für viele Menschen ist dies ein sehr emotionaler Moment der Tour.“

Paisley Park war Princes Zufluchtsstätte, sein Spiel-, Wohn- und Arbeitsplatz. Von außen wirkt der 1987 fertiggestellte Komplex in Chanhassen, am Rand der Vororte der Metropole Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota, wie ein unscheinbarer, fast fensterloser Zweckbau. Aber hinter den dicken Mauern versammelte Prince auf rund 6000 Quadratmetern alle seine Habseligkeiten, seine Auszeichnungen, Kostüme und Instrumente, und baute sich ein Musik-Paradies mit mehreren Aufnahmestudios, Bühnen und Videoproduktionsräumen. Im Aufzug des Anwesens wurde Prince am Freitag (21. April) vor einem Jahr leblos gefunden und kurz darauf für tot erklärt. Eine Überdosis Schmerzmittel, auch wenn die genauen Umstände immer noch nicht geklärt sind. Prince wurde 57 Jahre alt.

„Es war ein bittersüßes Jahr, es war eine große Herausforderung, aber wir hatten auch Spaß. Es war eine Achterbahn der Gefühle“, sagt Aaron Meyerring, der rund zwanzig Autominuten von Paisley Park entfernt im Büro seines Plattenladens „Electric Fetus“ sitzt. Der 33-Jährige gehört zu den letzten Menschen, die Prince lebend gesehen haben. Fünf Tage vor seinem Tod kam der Musiker in den Laden. Krank habe er nicht gewirkt, sagt Meyerring. „Er sah aus wie Prince, einfach cool. Er sah aus wie ein Rockstar, wie ein 57 Jahre alter Rockstar.“ Prince kaufte sechs CDs, unter anderem von Stevie Wonder und Santana, und bedankte sich danach via Twitter. Der Tweet prangt heute auf T-Shirts und Tassen, die „Electric Fetus“ als Souvenirs verkauft.

Prince war seit Jahrzehnten Kunde des Ladens, schon als Meyerrings Schwiegervater ihn noch betrieb. „Er kam natürlich nicht jeden Tag vorbei, manchmal vergingen Jahre, in denen wir ihn nicht gesehen haben“, sagt Meyerring. „Aber dann war er wieder da, im Februar zum Beispiel, da hatten wir hier einen Blizzard mit 25 Zentimetern Schnee. Jemand aus seinem Team rief an, ob der Laden voll ist, und mein Mitarbeiter an der Kasse sagte: „Nein, es ist Schneesturm, der Laden ist komplett leer.“ Und kurz darauf kam Prince.“

Zuletzt hatte der Musiker sogar Alben exklusiv über „Electric Fetus“ vertrieben. „Ich kann nicht anders als darüber nachzudenken, wo Prince und ich wären, wenn er noch am Leben wäre“, sagt Meyerring. „Ich habe das Gefühl, wir standen gerade am Anfang einer großartigen Freundschaft und Business-Partnerschaft.“

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