Tödlicher Unfall auf A9
So erklären Experten das Busunglück in Bayern

Die Ursache für das Busunglück auf der A9 ist noch unklar. Es sei schwer erklärbar, warum ein Bus bei einem Auffahrunfall so schnell in Flammen aufgehe. Experten halten mehrere Szenarien für möglich.
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MünchbergWarum sind bei dem Busunglück auf der A9 in Nordbayern so viele Menschen ums Leben gekommen? Die genaue Ursache steht noch nicht fest. Drei verschiedene Experten haben drei verschiedene Erklärungsansätze:

1) Siegfried Brockmann, der Leiter Unfallforschung der Versicherer, hält es für wahrscheinlich, „dass der Unfall gar nicht der Auslöser des Brandes war, sondern der Brand möglicherweise zuerst da war“. Dem Bayerischen Rundfunk (B5 aktuell) sagte er: „Dafür gibt es Präzedenzfälle, dass ein Brand im Motorraum beginnt und dort vom Fahrer zunächst nicht wahrgenommen wird, bei den Niederflurmotoren im Heck. Der ist sehr weit weg von ihm. Der Fahrtwind drückt das Feuer auch zunächst nach hinten, so dass man lange braucht, um so einen Brand wahrzunehmen.“

Es sei schwer erklärbar, warum ein Bus bei einem Auffahrunfall so schnell in Flammen aufgehe, sagte Brockmann. Er wies darauf hin, dass der Bus am Rand stehenblieb. „Der Fahrer muss also noch einiges versucht haben, an den Rand zu kommen. Dann sehe ich brennende Teile hinter dem Bus.“ Auch dies sei ohne einen bereits vorher ausgebrochenen Brand schwer erklärbar.

2) Ein Kraftfahrtexperte des Tüv Rheinland hält eine abgerissene Kraftstoffleitung für eine mögliche Ursache: „Im Fall eines Unfalls kann es sein, dass eine Kraftstoffleitung abreißt und der Kraftstoff auf heiße Fahrzeugteile gelangt und das Ganze anfängt zu brennen“, sagte Hans-Ulrich Sander in Köln. Der Tank befinde sich regelmäßig in der Mitte oder im hinteren Bereich und könne 400 bis 500 Liter Kraftstoff enthalten. „Wenn der Kraftstoff dann unter dem Bus herläuft und alles brennt, geht es rasend schnell.“

3) Eine weitere mögliche Erklärung lieferte Johannes Hübner, Sicherheitsexperte vom RDA Internationalen Bustouristik Verband in Köln: Im Armaturenbrett eines Busses sei die Elektrik des Fahrzeugs zusammengefasst; dort könnte es zu einem Kurzschluss gekommen sein. Auch wenn die Materialien in einem Bus feuerhemmend seien, breite sich der Brand schnell aus, wenn er nicht sofort gelöscht werde. „Die Beeinträchtigung ist nämlich vor allem der Rauch, der in den Innenraum dringt“, sagte Hübner.

Wenn der Fahrer nicht mehr in der Lage war, die hintere Tür zu öffnen, könne das einer der Gäste gemacht haben. Meist würden aber Fenster eingeschlagen - doch tue man dies, ziehe der Rauch noch schneller durch den Bus. „Mit anderen Worten: Die Situation ist sehr schnell außer Kontrolle“, sagte der Sicherheitsbeauftragte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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