Tote nach Geiselnahme
„Barbarischer Mord“ in französischer Kirche

Ausgerechnet ein Gotteshaus: In einer Kirche in der Normandie nehmen zwei Angreifer Geiseln und töten einen Priester, bevor sie selbst erschossen werden. Die Terrormiliz IS reklamiert die Bluttat für sich.

RouenMutmaßliche Islamisten haben in Frankreich eine Kirche überfallen und einen Priester auf grauenvolle Art und Weise ermordet. Keine zwei Wochen nach dem Blutbad von Nizza drangen zwei Angreifer am Dienstagvormittag in das katholische Gotteshaus in der Nähe von Rouen ein und nahmen fünf Geiseln. Sie töteten einen über 80 Jahre alten Priester und verletzten einen weiteren Menschen schwer.

Sie hätten sich auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) berufen, sagte Präsident François Hollande, der von einem „schändlichen Terroranschlag“ sprach. Die mutmaßlichen Täter wurden von der Polizei erschossen. Politiker wie Geistliche verurteilten den Angriff scharf.

Wenig später beanspruchte der IS den Anschlag für sich, wie das IS-Sprachrohr Amak mitteilte. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. In welcher Form sich die Täter zum IS bekannt haben oder in welcher Verbindung sie zur IS-Terrormiliz standen, gaben die Behörden zunächst nicht bekannt.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, die Angreifer hätten beim Verlassen der Kirche „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) gerufen. Nach Angaben aus Ermittlerkreisen war einer der beiden Angreifer den Sicherheitsbehörden bekannt, zu ihm soll es einen Eintrag in einer Datenbank mit Personen geben, die als radikalisiert eingestuft sind.

Er habe im Vorjahr versucht, nach Syrien zu gelangen. Bei seiner Rückkehr sei ein Anklageverfahren wegen Terrorverdachts eröffnet worden. Der Mann kam dem Bericht zufolge in Untersuchungshaft und wurde später mit einer elektronischen Fußfessel wieder freigelassen. Die AFP-Informationen stimmen mit Angaben des Senders iTélé überein.

Hollande sagte bei einem Besuch am Tatort in Saint-Étienne-du-Rouvray in der Nähe von Rouen, der IS habe den Krieg erklärt. „Wir werden diesen Krieg mit allen Mitteln führen“, betonte der Staatschef. Erst vergangene Woche hatte das Parlament den nach den Pariser Anschlägen vom 13. November verhängten Ausnahmezustand um weitere sechs Monate verlängert.

Die Polizei schoss auf die beiden Täter, als sie die Kirche verließen. Französische Medien berichteten unter Berufung auf Polizeikreise, sie seien mit Hieb- oder Stichwaffen bewaffnet gewesen. Eine Nonne sagte dem Sender RMC, der Priester sei in die Knie gezwungen worden. Sie habe fliehen können, als ein Täter dem anderen ein Messer reichte.

„Ich schreie zu Gott“, sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. „Ganz Frankreich und alle Katholiken sind verletzt worden. Wir stehen zusammen“, schrieb Premierminister Manuel Valls auf Twitter. Staatschef Hollande versprach den französischen Katholiken seine Unterstützung und setzte für Mittwoch ein Treffen mit den Vertretern der Glaubensgemeinschaften an. „Was diese Terroristen wollen, ist uns zu spalten.“

Papst Franziskus verurteilte die Geiselnahme als „sinnlose Gewalt“. „Der Papst ist informiert und nimmt teil am Schmerz und am Grauen dieser sinnlosen Gewalt und verurteilt jede Form von Hass auf das Schärfste“, erklärte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. „Wir sind besonders betroffen, weil diese entsetzliche Gewalt mit der barbarischen Ermordung eines Priesters und mit der Beteiligung von Gläubigen in einer Kirche stattgefunden hat, einem heiligen Ort, wo die Liebe Gottes verkündet wird“, sagte Lombardi.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: „Der fanatische Hass macht jetzt noch nicht einmal Halt vor Gotteshäusern und Gläubigen“. Deutschland bleibe entschlossen, gemeinsam mit seinen Partnern dem Terrorismus die Stirn zu bieten. „Wir werden unsere Werte, unsere Freiheit und unsere Art zu leben, nicht aufgeben.“

Frankreich war in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder das Ziel schwerer Anschläge. Zuletzt tötete ein 31-jähriger Tunesier 84 Menschen, als er am Nationalfeiertag mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge auf dem Strandboulevard von Nizza raste. Die Polizei erschoss den Mann. Im Frühjahr 2015 hatten die Sicherheitsbehörden nach offiziellen Angaben bereits einen geplanten Anschlag auf eine Kirche vereitelt. Damals wurde ein 24-jähriger Student verhaftet.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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