Toter Eisbär: Knut litt an Gehirnentzündung

Toter Eisbär
Knut litt an Gehirnentzündung

Der berühmte Berliner Eisbär Knut litt an einer Gehirnentzündung. Die Obduktion hat erste Analysen des Hirnwassers bestätigt - nicht allerdings die Kritik zahlreicher Fans, Knut sei womöglich an zu viel Stress gestorben.
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BerlinAls Knut dann plötzlich ins Wasser stürzte, sei er ertrunken, sagte die leitende Pathologin des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), Claudia Szentiks, am Freitag in Berlin unter Berufung auf das Sektionsergebnis. Die Gehirnentzündung sei vermutlich durch eine Infektion entstanden, fügte sie hinzu. Auch das Rückenmark sei in der Folge der Entzündung krankhaft geschädigt worden. Es gebe aber keine Hinweise auf übermäßigen Stress als mögliche Krankheitsursache. IZW-Präsident Heribert Hofer teilte mit, dass keine Missbildung auf Grundlage von Gen-Defekten entdeckt wurde.

Die Entzündung, an der das Tier litt, war nach Angaben Szentiks' sehr massiv und wäre für Knut „auf kurz oder lang“ tödlich ausgegangen, auch wenn er nicht ins Wasser gestürzt wäre. Zudem sei der Eisbär schon länger krank gewesen. Die Krankheit wurde vermutlich durch eine Infektion ausgelöst. Der Erreger sei noch nicht identifiziert, sagte die Veterinär-Pathologin. Die Wissenschaftler schließen zudem nicht aus, dass auch die drei Eisbärinnen, mit denen Knut in einem Gehege zusammenlebte, infiziert sein könnten.

Die weiteren Untersuchungen des Tierkörpers in dem Institut könnten sich noch über Monate hinziehen, hieß es weiter. Spuren, die auf Stress des Eisbären hindeuten, seien bei der Untersuchung nicht entdeckt worden, betonte Szentiks.

Um die Ursache für den Tod des weltberühmten Eisbären am Nachmittag des 19. März im Zoologischen Garten hatte es zahlreiche Spekulationen und emotionale Debatten unter den Fans in der ganzen Welt gegeben. Im Alter von nur vier Jahren war der Eisbär in seinem Gehege zusammengezuckt, hatte sich mehrmals im Kreis gedreht, war ins Wasser gefallen und vor den Augen mehrerer Hundert Besucher gestorben. Bei ersten Untersuchungen im IZW waren bereits Veränderungen im Gehirn des Tieres festgestellt worden.

Das Tier hatte demnach angesichts der schweren Hirnerkrankung keine Überlebenschance. Die Druckverhältnisse im Gehirn seien so dramatisch verändert gewesen, dass das Tier unvermeidlich auch gestorben wäre, wenn es festen Boden unter den Füßen behalten hätte und nicht ins Wasser gestürzt wäre.

Hinweise auf starken Stress waren aber auch bei der Analyse von Hirnschnitten und anderen Organen nicht gefunden worden. Solche Spuren hätten sich zum Beispiel in den Nebennieren finden können. Zahlreiche Knut-Fans und Zoo-Besucher hatten über längere Zeit Kritik daran geübt, dass Knut von den drei Eisbärinnen Tosca, Nancy und Katjuscha „gemobbt“ worden sei.

Nun gibt es unter anderem Diskussionen darüber, was mit seinem Fell passieren soll. Im Internet mehren sich die Stimmen gegen den bisherigen Plan des Zoos, es auszustopfen und im Naturkundemuseum zu präsentieren. Viele Fans halten das für „pietätlos“. Für diesen Samstag sei sogar eine Demonstration vor dem Zoo-Haupteingang angemeldet, bestätigte die Polizei.


Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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