Tour mit dem Hausboot: Gegen den Strom

Tour mit dem Hausboot
Gegen den Strom

Mit dem Hausboot von Duisburg übers Kanzleramt zur Prager Karlsbrücke Schwerpunkt: Boot.

HB PARIS. Wo einst Lastkähne vor runtergekommenen Lagerhallen warteten, schaukeln jetzt Sportboote im Duisburger Innenhafen. Schicke Restaurants säumen die Kais. Und im Skulpturen-Museum Lehmbruck stehen Plastiken von Arp bis Zadkin.

Das überraschend attraktive Duisburg ist Startpunkt für unsere Wasserfahrt nach Osten, vom Rhein zur Elbe und weiter zu Spree und Moldau Für die über 1 200 Kilometer brauchen wir mehrere Wochen, es ist eine beschauliche Tour. „Scheldezoon“ heißt unser 32-Meter-Kahn, einst Lastschiff auf flämischen Gewässern, und heute unser Hausboot in Paris.

Nautisch ist die Tour anspruchsvoll. Das Schiff muss durch den regen Verkehr der Berufsschifffahrt manövriert werden. Schon der Rhein-Herne-Kanal mit seinen fünf Schleusen hat es in sich. Beeindruckend sind die glitschigen Wände der Schleuse Herne-Ost: Knapp 13 Meter muss man sich hinaufhangeln und dabei Taue und Leinen blitzschnell nach oben versetzen, denn gurgelnde Wassermengen füllen das Becken rapide auf.

Das alte Schiffshebewerk Henrichenburg, einst Wahrzeichen technischen Fortschritts, ist heute Teil des Westfälischen Industriemuseums und erzählt die Geschichte des „Jahrhundertbauwerks“ Dortmund-Ems-Kanal, der 1899 mit viel Prunk von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht wurde. Freundliche Landschaften säumen die Wasserstraße, die das Land der Radfahrer und angeblich 100 Wasserschlösser durchquert.

Das Gedrängel vor den drei Schleusenkammern in Münster ist groß, und man muss schon genau hinhören, um die Funkanweisungen zu verstehen: „Die Scheldezoon fährt nach der Vaya con Dios und der Wilma in die rechte Kammer ein. Die Scheldezoon! Beeilen Sie sich ein bisschen, Sie können hier nicht den ganzen Ablauf verzögern!“ Einige komplizierte Manöver später ist es dann geschafft. Wir nehmen Kurs auf den Mittellandkanal.

Der ist eine Wasserautobahn mit nur drei Schleusen auf über 300 Kilometern, vorbei an Hannover und Wolfsburg mit Fabrik und „Autostadt“.

Das gigantische Wasserstraßenkreuz von Magdeburg mit der kühnen Trogbrücke über die Elbe ist nun fertig, es war Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 17. Dazu gehört die Schleuse Hohenwarthe, wo die Schiffe bei normalem Wasserstand um 18,5 m bis zum Elbe-Havel-Kanal abgesenkt werden. Dadurch scheint das Aus des nahen Schiffshebewerkes Rothensee bevorzustehen. Seine Stilllegung wäre nicht nur für Sportschifffahrer ein bedauerlicher Verlust. Der „Wasserfahrstuhl“ befördert die Schiffe in nur wenigen Minuten um 16 Meter auf das Elbniveau hinunter und ist eine große touristische Attraktion.

Der Elbe-Havel-Kanal bringt uns in die sanfte Havel vor Berlin, wo offene Seen grüne Kanalböschungen ablösen. Segelschiffe kreuzen Ruderboote, die Fahrrinne durch den Plauer See vor der Stadt Brandenburg ist mit Bojen markiert. Und im Wannsee liegt voraus malerisch die Pfaueninsel, in der Nähe das Jagdschloss Glienicke und Schloss Babelsberg in Potsdam.

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