Tournee
Madonna macht sich keine Freunde in Rom

Der Vatikan hat schon einmal eine Madonna-Tournee als „eine der satanischsten Shows in der Geschichte der Menschheit“ verteufelt. Auch mit ihren neuen Auftritt werden die christlichen Anhänger nicht zufrieden sein. Die Show heißt „Beichte auf der Tanzfläche“, und an einer Stelle steigt die Sängerin mit Dornenkrone vom Kreuz herab.

HB LOS ANGELES. Videoschirme zeigen währenddessen Hungernde in Entwicklungsländern. Die Szene erinnerte an ihren Auftritt beim Live-8-Konzert im Londoner Hyde Park im vergangenen Juli, als sie den Arm einer jungen Äthiopierin in die Luft riss und rief: „Seid ihr bereit, eine Revolution anzufangen?“ Kenner wiesen sofort darauf hin, dass dies nicht im Sinne des einstigen Wahl-Londoners Karl Marx gemeint gewesen sei, denn das „Material Girl“ ist durch und durch Geschäftsfrau. In Los Angeles nahm ihre Show trotz eines Streiks der Bühnenarbeitergewerkschaft ihren Lauf.

Mit ihrem untrüglichen Gespür für den Massengeschmack streut Madonna immer mal wieder eine Prise Politik in ihre Show ein: Eine Videomontage zeigt Bush, Blair und Hitler - so was kommt immer gut, jedenfalls dort, wo sie auftritt. Einmal sagt sie auch etwas über Bush und Oralsex, aber im Ganzen spricht sie wenig. Sie singt, und dies zügig, die Titel ihres neuen Erfolgsalbums „Confessions On A Dancefloor“ sowie einige Evergreens wie „Lucky Star“ und „Ray Of Light“.

Die Bühnentechnik ist gewohnt aufwendig. Jeden Abend wird ein mit Diamanten und Kristallen besetztes Kreuz hochgezogen. „Ich mag Kruzifixe, weil sie sexy sind: schließlich ist da ja ein nackter Mann drauf“, hat sie einmal gesagt. Zu Beginn entsteigt sie einer Discokugel mit Kristallen im Wert von über zwei Millionen Dollar (1,57 Millionen Euro). Sieben Mal wechselt sie ihre von Jean Paul Gaultier entworfene Garderobe. Einmal legt sie etwas Sadomasogeschirr an und tanzt in Reitstiefeln und mit Peitsche in der Hand über die Bühne. Dies könnte allerdings auch ein Verweis auf ihren Reitunfall an ihrem letzten Geburtstag sein, als sie sich drei Rippen, Hand und Schlüsselbein brach. Damals hatte es noch geheißen, sie werde wohl lange nicht mehr auftreten können.

Doch in den kommenden drei Monaten wird Madonna ihre Beichte noch in mehr als 50 Konzertsälen in den USA, Kanada, Europa und Japan wiederholen. Ende August kommt sie nach Deutschland zu zwei Auftritten in Düsseldorf und Hannover. Ihr Veranstalter TNA rechnet damit, dass sie mit der neuen Tour die 200-Millionen-Dollar-Hürde nimmt und damit zum bestverdienenden weiblichen Musikstar wird. Die Hälfte aller Tickets in den USA und Europa war bereits nach vier Tagen weg, wobei die Fans Preise von bis zu 300 Euro pro Karte in Kauf nahmen.

Das Publikum in Los Angeles - darunter Madonnas spiritueller Ratgeber Rabbi Yehuda Berg von der Prominenten-Religion Kabbala - zeigte sich im Anschluss zufrieden. „Sie ist frech und sexy“, sagte der Schauspieler Marc Imme (23). Andrea Holt (27), Eheberaterin aus Colorado, kommentierte: „Als ich aufwuchs, stand Madonna für Frauenpower. Jetzt konzentriert sie sich auf ihre Familie, und darin kann ich mich auch wiederfinden.“

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