Traditionsgebäck
Nelken für die Nase

Hubert Vogel hat im Konditorenhandwerk seinen Meister gemacht. „Um Ideen zu entwickeln, muss man reisen“, sagt der Mann, der mit 26 Jahren in Kairo eine Schweizer Konditorei aufbaute.

Wie eine Reise wirkt auch sein Gang durch die Lambertz-Werkshallen in Aachen – eine Lustreise, denn Vogel greift mal in diesen Karton, mal auf jenes Fließband und nascht Kekse. Im Vorbeigehen, aber mit konzentriertem Gesicht. Was nämlich nach Naschsucht aussieht, das ist harte Arbeit: Qualitätskontrolle heißt die korrekt.

Erst noch warm auf dem Backofenblech, später abgekühlt auf dem Band zwischen Schokoladenstrahl und Packstation bewegt sich eine Prozession von Keksen und Printen langsam durch die gekachelten Hallen. Mitarbeiter stehen und sitzen in weißen Kitteln an ihrem Arbeitsplatz und kontrollieren, was die automatische Backstraße fertig bringt.

Die Haare sind unter grünen oder weißen Kopfhauben verborgen, Uhren und Schmuck in Taschen verbannt. Haare im Gebäck wären eben grausamer als das sprichwörtliche in der Suppe und Printen mit Metallgeschmack eine Katastrophe.

Sauber wie in einem Operationssaal wirkt es, aber es duftet weitaus angenehmer. Die Mischung aus Mehl, Gewürzen, Zucker und vor allem Schokolade lässt die Nasenflügel erwartungsvoll beben. Und eines ist sicher: Die winzigen dunklen Spritzer an der Dominostein-Straße können nur aus Schokolade sein.

Fast 20 Jahre hat Hubert Vogel sein süßes Leben in Werkshallen und Versuchsbackstube des Backwarenunternehmens Lambertz verbracht. In dieser Zeit wurde aus dem Printenproduzenten ein Keks- und Kuchenunternehmen, das süßes Gebäck für 400 Millionen Euro jährlich in die Welt verteilt.

Schnittprinten, das Weihnachtsgebäck aus Gründerzeiten, machen da weniger als zehn Prozent des Umsatzes aus. Und bleiben doch wichtig. Denn zu der Marke mit der strahlenden goldenen Sonne und dem Namen Lambertz gehört die Printe wie Karl der Große zu Aachen. Der soll natürlich die Printe erfunden haben – sagt die Legende, die in Aachen eigentlich immer bei dem kleinen Kaiser mit dem großen Beinamen landet, der im Dom gekrönt wurde.

Historisch belegt sind Hungerkrawalle um Brot und Getreide im Jahr 1693: Bäcker Lamberts (damals noch nicht mit tz) stand im Verdacht, Korn auf dem Dachboden gehortet zu haben. Die Menschen wollten die Herausgabe erzwingen, doch der Magistrat unterdrückte die Revolte.

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