Traditionsveranstaltung
Massensturz bei Stierhatz in Pamplona

Dass sich Mensch und Stier bei der alljährlichen Veranstaltung in Nordspanien näherkommen, ist normal. Verletzte auch. Ein Massensturz ist jedoch die Ausnahme. Die Geistesgegenwart eines Ordners verhindert Schlimmeres.
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PamplonaSchreckensszenen bei der traditionellen Stierhatz in Pamplona: Bei einem Massensturz von Läufern und Stieren sind in der nordspanischen Stadt am Samstag 23 Menschen verletzt worden, vier davon schwer. Am Eingangstor zur Stierkampfarena waren vor der Ankunft der Kampfstiere nach Schätzung von Augenzeugen etwa 150 bis 200 Menschen übereinander gestürzt. Offensichtlich hatten zu viele Leute versucht, im letzten Augenblick in die Arena zu laufen.

Der Einlasstunnel unterhalb der Tribüne wurde so zu einer gefährlichen Falle. Die Stiere, die in die Arena getrieben werden sollten, rannten in die Menschenmenge. Für einige dramatische Sekunden bildete sich ein Knäuel von Menschen und Tieren. Glücklicherweise betrachteten die Kampfstiere die auf dem Boden liegenden Leute nicht als Gegner und schlugen nicht mit den spitzen Hörnern um sich. Die Tiere waren offensichtlich nur darauf bedacht, sich ihren Weg nach vorn zu bahnen.

Ein Angestellter hatte die rettende Idee, ein Seitentor zu öffnen. Auf diese Weise gelangten die Stiere durch einen Gang unterhalb der Publikumsränge in das Rund der Arena. Dadurch wurde nach Ansicht von Fernsehkommentatoren eine mögliche Tragödie verhindert. Nach Angaben der Rettungsdienste wurden 21 Menschen in Krankenhäuser gebracht. Viele von ihnen hatten bei dem Massensturz Quetschungen erlitten. Ein 19-jähriger Baske schwebte in Lebensgefahr.

Der Zwischenfall wurde darauf zurückgeführt, dass wegen des Wochenendes der Andrang bei dem Stiertreiben zu groß war. Bei dem traditionellen Fest zu Ehren des Schutzheiligen der nordspanischen Region Navarra werden in Pamplona gut eine Woche lang an jedem Morgen Kampfstiere in die Arena getrieben, in der am Abend Stierkämpfe stattfinden. Hunderte von Menschen laufen über die 825 Meter lange Strecke durch die Altstadt vor den Stieren her. Bei Mutproben werden jedes Jahr Dutzende Läufer verletzt. Die diesjährigen Stiertreiben gehen an diesem Sonntag zu Ende.

Seit Beginn des San-Fermín-Festes am vergangenen Sonntag mussten bereits 55 Verletzte ins Krankenhaus gebracht werden. Vor allem junge Männer suchen bei dem Spektakel den Nervenkitzel, wenn sie vor den Stieren durch die Straßen rennen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Traditionsveranstaltung: Massensturz bei Stierhatz in Pamplona"

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  • "Schlimmer ist allerdings die Tierquälerei in der Arena. Man könnte den Stier ja auch einfach erschießen, das würde ihm 'ne Menge ersparen."
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    Sie sagen es! Ich gebe zu, manchmal hege ich da die Phanatasie, den "Kampf"stier (der im Grunde nur ein Opfer ohne Chance ist) heimlich kurz vorher gegen einen Kaffernbüffel auszutauschen. Überraschung, Überraschung! Der läßt sich nämlich /nicht/ vom Gefuchtel mit einem Tuch ablenken. Der hält den eigentlichen Gegner fest im Visier und er ist schnell, einfach nur höllisch schnell wie eine Katze auf Crack und flößt sogar Löwen mehr als gewaltigen Respekt ein (Es gibt nur ganz wenige Löwenrudel, die auf solches Großwild spezialisiert sind): 1000 kg Intelligenz, Speed und Kampfkraft auf 4 Beinen, wenn man Kennern glaubt, das gefährlichste Wild Afrikas. Jedenfalls würde dann dieses würdelose Spektakel, das die Spanier "Kultur" nennen, eine äußert überraschende Wende nehmen! :-)
    Aber wie gesagt: Nur durchgehende Phantasie.
    Ansonsten das mal lesen, da kommt man ins Grübeln:
    http://wolodja.blog.de/2012/08/08/weinende-stier-pamplona-14362516/

  • Die dummen sterben eher. Sollen diese Kranken doch auf die Hörner genommen werden.
    Schlimmer ist allerdings die Tierquälerei in der Arena. Man könnte den Stier ja auch einfach erschießen, das würde ihm 'ne Menge ersparen.

  • "Auf die EU kam ich, weil die sich ja sonst in alles einmischt, von der Gurkenkrümmung bis hin zur Glühbirne, oft ohne Sinn und Verstand"

    Da haben Sie natürlich nicht Unrecht.
    Aber die Abgeordneten sind ja auch nur "Menschen", und tun das wo sie einen Weg sehen das auch umzusetzen. Vor allem wenn man auch noch die Gesetzestexte von den "Richtigen" vorgesetzt bekommt.
    Man sollte sich da auch seine Vertreter richtig "abrichten" und die Hundeflüsterer entlarven :)

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