Tragödie von Winnenden
Ermittler rätseln über Motiv für Amoklauf

Nach einer schweren Ermittlungspanne wird nun wieder über das Motiv des Amokläufers von Winnenden gerätselt. Denn anders als zunächst verkündet, wurden nach Polizeiangaben auf dem beschlagnahmten PC des Todesschützen Tim K. keine Belege für eine Ankündigung der Tat im Internet gefunden.

HB WINNENDEN. Der im Netz aufgetauchter Eintrag könnte eine Fälschung sein. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) verwahrte sich jedoch gegen Kritik, er habe vorschnell die angebliche Ankündigung der Bluttat aus dem Chatroom bekanntgegeben.

Nun überprüfen die Ermittler, ob Tim K. von einem anderen Computer die Ankündigung abgesetzt hat. Die Beamten vernahmen zwei jugendliche Zeugen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen, die den Eintrag gesehen haben wollen. Dieser schien eine deutliche Erklärung für die unglaubliche Tat zu liefern: "Ich meine es ernst, Bernd - ich habe Waffen hier, und ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und mal so richtig gepflegt grillen." Weiter hieß es: "Merkt Euch nur den Namen des Orts: Winnenden."

Nachdem nun Polizei und Staatsanwaltschaft zurückruderten und ihre Aussage, der Eintrag stamme von Tim K., zurücknahmen, liegt das Motiv für den Amoklauf weiter im Dunkeln. Nach Erkenntnissen der Polizei hatte Tim K. die psychiatrische Behandlung einer depressiven Störung vorzeitig abgebrochen. Seine Freizeit verbrachte der 17-Jährige mit Killerspielen und Horrorfilmen. Am Mittwoch machte er dann Ernst und erschoss an seiner früheren Schule und auf der Flucht 15 Menschen und sich selbst.

Trittbrettfahrer halten die Polizei in Baden-Württemberg indes weiter in Atem - mehrere Jugendliche wurden nach Amok-Drohungen festgenommen. Den Tätern drohen bis zu drei Jahre Haft und hohe Schadenersatzforderungen. Die Diskussion über einen besseren Schutz von Schülern ging weiter. Nach Ansicht von Innen-Staatssekretär August Hanning müssen Waffen in Privatbesitz besser gesichert werden. An der Trauerfeier für die 15 Opfer des Amokläufers am 21. März wollen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Horst Köhler teilnehmen.

Rech hatte am Donnerstag erklärt, der Internet-Eintrag stamme eindeutig vom Amokläufer. Am Freitag betonte er, es sei richtig gewesen, die Öffentlichkeit über die angebliche Ankündigung des Blutbads zu informieren. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz am Donnerstagmittag seien die Ermittler überzeugt gewesen, dass sich der Amokläufer wenige Stunden vor der Tat in einem Chatroom offenbart habe. Man sei verpflichtet gewesen, über diesen Ermittlungsstand zu berichten. "Man hätte uns sonst zu Recht vorgeworfen, wichtige und die Menschen bewegende Informationen zurückzuhalten."

Seite 1:

Ermittler rätseln über Motiv für Amoklauf

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%