Transrapid-Unglück
Vermutlich Versagen in der Leitstelle

Bei der Suche nach der Ursache des schweren Transrapid-Unglücks in Lathen (Emsland) konzentriert sich die Staatsanwaltschaft auf die Abläufe in der Leitstelle. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ist am Samstagvormittag am Ort des verheerenden Transrapid-Unglücks eingetroffen.

HB LATHEN. Die beiden Verantwortlichen dort hätten sich persönlich überzeugen müssen, dass die Trasse frei ist, sagte Staatsanwalt Alexander Retemeyer am Samstag in Lathen. Das sei vermutlich versäumt worden. So hatte der Transrapid am Freitagmorgen grünes Licht für die Fahrt bekommen, obwohl sich noch ein Werkstattwagen auf der Strecke befand. Bei dem Zusammenstoß bei Tempo 170 waren trotz einer Notbremsung 23 Menschen in den Tod gerissen worden, 10 überlebten verletzt.

Der Parkplatz des Werkstattwagens sei in Sichtweite der Leitstelle, sagte Retemeyer. Die Mitarbeiter hätten nachschauen müssen, ob der Arbeitswagen tatsächlich dort abgestellt wurde. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück beschlagnahmte sämtliche Unterlagen in der Leitstelle. Die beiden Mitarbeiter wurden noch nicht vernommen.

Der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft IABG, Rudolf Schwarz, sagte: „Die Fahrzeuge hätten sich bei einer Sicht von zwei bis drei Kilometern eigentlich sehen müssen. Wir wissen deshalb nicht, warum die Notbremsung so spät eingeleitet wurde.“ Als Konsequenz aus dem schweren Unglück kündigte der IABG-Chef an, die Sicherheitstechnik nochmals zu verbessern.

Eine technische Kontrolle des Wartungsfahrzeugs gibt es nach Auskunft der Staatsanwaltschaft ebenso wenig wie eine Kameraüberwachung an der Unfallstelle. „Wir müssen davon ausgehen, dass es relativ wenig technische Sicherungen auf der Strecke gibt“, sagte Retemeyer. Während der Transrapid in ein sensorbestücktes Kontrollsystem eingebunden ist, gibt es zu dem Wartungsfahrzeug nur eine Zugfunkverbindung.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kündigte beim Besuch des Unglücksorts am Samstag eine „tiefgründige Untersuchung“ der Unfall-Umstände an. „Wir müssen prüfen, ob das Sicherheitskonzept ausgereicht hat und ob es in allen Bereichen befolgt wurde“, sagte er. Tiefensee warnte davor, aus dem Unglück voreilige Schlüsse zur Zukunft der Transrapid-Technik zu ziehen. Er lud die Betreiber der Teststrecke ebenso wie die Konsortialpartner ThyssenKrupp und Siemens sowie seinen bayerischen Kollegen Erwin Huber für diesen Sonntag zu Gesprächen ins Berliner Ministerium ein.

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