Trauerfeier
Angehörige trauern um Amok-Opfer

Tausende sind ins baden-württembergische Winnenden gekommen, um bei einer zentralen Trauerfeier der Opfer des des Amoklaufs vor zehn Tagen zu gedenken. Die Angehörigen haben zuvor die Politik aufgefordert, Konsequenzen aus der Tat zu ziehen. Politiker diskutieren nun über das Verbot von Killerspielen.

HB WINNENDEN. Mehrere tausend Menschen gedenken zur Stunde bei der zentralen Trauerfeier des Landes Baden-Württemberg in Winnenden der Opfer des Amoklaufs. Der ökumenische Gottesdienst in der katholischen Kirche wird auch in das benachbarte Stadion übertragen, da in der Kirche nicht genügend Platz für die Trauergäste war. Zu der Trauerfeier und dem anschließenden Staatsakt sind neben Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger auch Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere Spitzenpolitiker angereist.

Oettinger spricht den Angehörigen der insgesamt 16 Getöteten in seiner Trauerrede laut Redetext sein "tief empfundenes Beileid" aus. "Wir fühlen mit den Eltern und Geschwistern, mit den Angehörigen und Freunden der Toten", so der CDU-Politiker. Der Amoklauf des 17-jährigen Tim Kretschmer in der Realschule habe alle tief getroffen. Schulen seien ein Ort der Gemeinschaft, der Bildung und der Erziehung, sagt Oettinger. "Dieser Raum ist auf brutale Weise verletzt und zerstört worden - durch einen ehemaligen Schüler, dem diese Schule nur das Beste für seine Zukunft mitgeben wollte", sagte der Ministerpräsident. Die körperlichen und seelischen Wunden würden "lange nicht heilen".

Der Regierungschef mahnt, aus dem Amoklauf Lehren zu ziehen. Solchen Gewalttaten müsse vorgebeugt werden. Dazu gehörten auch offene Gespräche mit jungen Menschen. Der dritte Amoklauf innerhalb weniger Jahre in Deutschland bleibe eine "ständige Mahnung", so Oettinger weiter. Außer in Winnenden waren auch an Schulen in Erfurt und Emsdetten bei Amokläufen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen.

Angehörige der Amoklauf-Opfer haben kurz vor Beginn der Trauerfeier Konsequenzen von der Politik gefordert. Sie meldeten sich in einem offenen Brief an Köhler, Merkel und Oettinger zu Wort. Darin verlangen sie, den Zugang für Jugendliche zu Waffen zu erschweren, Gewaltdarstellungen im Fernsehen einzuschränken, Killerspiele zu verbieten, den Jugendschutz im Internet auszubauen und die Berichterstattung der Medien über Amok-Täter zu reglementieren.

Die Politik hat diese Forderungen bereits aufgegriffen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kritisierte die freiwillige und staatliche Kontrolle bei gewaltverherrlichenden Computerspielen als ungenügend. "Die freiwillige Selbstkontrolle der Spiele-Industrie funktioniert nicht richtig. Ich erwarte, dass die Bundesprüfstelle wesentlich schärfer hinschaut, was auf dem Markt ist", sagte Herrmann der "Welt am Sonntag". Die Kritik des Ministers richtet sich an die Freiwillige Selbstkontrolle (USK) und die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. "Bisher wurde zu viel stillschweigend hingenommen. Man hat über Killerspiele geklagt, und trotzdem wurde die Freigabe in der Praxis immer sehr großzügig gehandhabt", sagte Herrmann.

Der Innenminister forderte die Justiz zu konsequentem Eingreifen auf: "Es gibt auch Probleme bei der Strafverfolgung", sagte er der Zeitung. Wenn eine Anzeige wegen gewaltverherrlichender Inhalte in einem Videospiel erstattet werde, dann könne es nicht sein, dass sich der Spielvertreiber auf eine Freigabe durch die Freiwillige Selbstkontrolle berufe und die Staatsanwaltschaft deswegen das Verfahren einstelle.

Hermann bekräftigte seine Forderung nach einem Verbot sogenannter Killerspiele. Eine weitere Verschärfung des Waffenrechts lehnte Herrmann ab. Er forderte aber eine konsequentere Umsetzung und zusätzliche Kontrollen der Waffenbesitzer. "Dass wir auch verdachtsunabhängig und stichprobenartig kontrollieren sollten, ist richtig und notwendig", sagte der CSU-Politiker der "WamS".

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