Trauerfeier nach Amok-Lauf
"Ganz Deutschland trauert mit Ihnen"

Tausende sind ins baden-württembergische Winnenden gekommen, um bei einer zentralen Trauerfeier der Opfer des Amoklaufs vor zehn Tagen zu gedenken. Die Angehörigen haben zuvor die Politik aufgefordert, Konsequenzen aus der Tat zu ziehen. Bundespräsident Horst Köhler drückte den Trauenden Anteilnahme aus - seine persönliche wie die des ganzen Landes. Und er bezog Stellung zum Thema gewaltverherrlichende Computerspiele.

HB WINNENDEN. "Ich bin gekommen, um den Schmerz der Familien zu teilen. Ein Kind verlieren, ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann", sagt Lehrerin Ulrike W., die mit ihren beiden kleinen Kindern aus Stuttgart gekommen ist, um mit tausenden weiteren Trauergästen Abschied zu nehmen von den 15 Opfern des Amoklaufs von Winnenden. Anteilnahme und Stille beherrschen am Samstag Vormittag, dem Tag des offiziellen Abschiednehmens, jeden Winkel der schwäbischen Kleinstadt. Schwarze Schleifen hängen an den Bäumen, und selbst abseits von der Hauptstraße heißt es in den Schaufenstern geschlossener Läden: "Wir trauern".

Mit ihrer Trauer sind die Familien und Schulkameraden der Getöteten nicht allein. Während sie und weitere geladene Gäste in der Kirche St. Karl Borromäus noch auf Bundespräsident Horst Köhler, Kanzlerin Angela Merkel und weitere Politiker warteten, wird die Albertville-Realschule, wo sich der Amoklauf am Mittwoch vergangener Woche ereignet hatte, zum öffentlichen Trauerraum für all jene, die am Staatsakt nicht teilnehmen durften.

Abgesperrt hinter einem schwarzen Band stehen knapp zwei Dutzend Kränze, die Köhler und Merkel sowie Landesregierungen, Schulen aus verschiedensten Städten und die französische Partnerstadt Albertville geschickt haben. Vor den Kränzen und Gebinden häufen sich neue Kerzen, Blumen und Plüschtiere, die Trauernde in stillem Gedenken und Ergriffenheit abgelegt haben. Unter ihnen auch viele Realschüler, die ein schwarzes T-Shirt tragen mit der Aufschrift "Ich habe einen Traum". Ebenso wie ihn die Getöteten hatten und der so abrupt endete, aber nicht vergessen werden sollte, sagt Schuldirektorin Astrid Hahn während der Trauerfeier.

In der Borromäus-Kirche entzünden zeitgleich Klassenkameraden eine Kerze für jedes der Opfer. Und um ihnen in dem medialen Hype um den Amoklauf ihre Persönlichkeit und Würde zurückzugeben, stehen nicht nur die Vornamen der Ermordeten auf den Kerzen. Auch Bundespräsident Köhler nennt die Toten in seiner Ansprache alle nochmals ausdrücklich mit Namen: Jacqueline Hahn, Ibrahim Halilaj, Franz Josef Just, Stefanie Tanja Kleisch, Michaela Köhler, Selina Marx, Nina Denise Mayer, Viktorija Minasenko, Nicole Elisabeth Nalepa, Denis Puljic, Chantal Schill, Jana Natascha Schober, Sabrina Schüle, Kristina Strobel und Sigurt Peter Gustav Wilk. Und zu den Hinterbliebene sagt Köhler: "Ganz Deutschland trauert mit Ihnen. Sie sind nicht allein".

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