Aus aller Welt
Trockene Zahlen bei Wasser und Brot

Die Zeiten, in denen Konzerne Aktionäre mit Hummer und Rehrücken auf die Hauptversammlungen lockten, sind vorbei.

DÜSSELDORF. Die Veranstaltung lief erwartungsgemäß. Auf der Hauptversammlung der IKB-Bank in Düsseldorf gab es nicht nur ein kaltes Buffet, sondern auch Forelle mit Reis, Salate und eine größere Auswahl an Nachspeisen. Bei der IKB, die nicht nur mit üppiger Kost, sondern regelmäßig auch mit einer ordentlichen Dividende glänzt, ist die Welt der Aktionäre noch in Ordnung.

Doch dass die Anleger derart umworben werden, ist die Ausnahme. Statt üppiger Buffets nur noch belegte Brötchen und ein paar Würstchen, das soll’s bei immer mehr Firmen gewesen sein. „Wir raten eher zu kleineren Häppchen. Wenn man zu viel macht, dann kommen die Aktionäre nur noch wegen des Essens“, sagt etwa Eventberater Marcus Graf von der Veranstaltungsfirma Haubrok in München, die in großem Umfang Hauptversammlungen organisiert. Vorbei die Zeiten, in denen es Ex-Telekom-Chef Ron Sommer egal war, ob das Haus 20 oder 30 Euro pro Aktionär ausgab. „So zwischen acht und zehn Euro darf das Essen kosten, das reicht dann auch“, meint Graf.

So sind vielleicht auch die fehlenden Hirsch-Medaillons daran schuld, wenn mehr und mehr Aktionäre den Hauptversammlungen fernbleiben. Gerade mal 46 Prozent des stimmberechtigten Kapitals schaffen den Weg in die Stadthallen und Hotels, bei großen Aktiengesellschaften ist die Beteiligung noch geringer. Der Trend, dass vor allem bei den Größeren die Quote gering ist, ließe sich so erklären. Dort werden die Aktionäre in der Regel besonders lieblos abgefertigt. Kaffee, Cola, ein paar Wienerle, das war’s. „Mehr ist bei Veranstaltungen mit 10 000 Leuten ja auch gar nicht drin“, sagt Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

So haben die Verschmelzungen der 90er-Jahre, die immer größere Firmenkomplexe schufen, wohl auch bei den kalten Buffets einiges weggeschmolzen. Ein weiterer Grund mag der Rückzug der Familieneigentümer sein. Als persönliche Gastgeber wollten sie sich in der Regel nicht lumpen lassen. Dauergast Hocker erinnert sich noch an Zeiten, da war das Buffet etwa beim Versicherungskonzern Gerling so reichlich, dass er sich nur auf den Hummer und den Rehrücken konzentrierte: „Mehr hätte ich nicht geschafft.“ Doch dann war Gerling Senior nicht mehr da, und es kam zu jener Szene, in der einer der Gastgeber beobachtete, wie eine Dame nicht nur den Braten, sondern auch noch die Eisbombe gleich in der Tasche verschwinden ließ. „Von da an wurde bei Gerling gespart“, erinnert sich Hocker.

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