Trotz Elternzeit
Katholische Kirche will lesbische Erzieherin feuern

Lange hatte sie ihre Homosexualität geheim gehalten. Dann outete sie sich bei ihrem Arbeitgeber - der katholischen Kirche - als lesbisch. Die kündigte augenblicklich, obwohl die Frau gerade in Elternzeit ist.
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AugsburgDie katholische Kirche darf nach einem Urteil des Augsburger Verwaltungsgerichts eine lesbische Kindergarten-Leiterin nicht während der Elternzeit kündigen. Spätestens nach Ablauf der Elternzeit ist der Rauswurf der 39-Jährigen aber wohl unvermeidlich - ihre Homosexualität verstößt gegen die Moralvorstellungen der Kirche.

Der Gericht erklärte am Dienstag, die Kirche habe sehr wohl das Recht, jemanden zu kündigen, der gegen religiöse Glaubenssätze verstoße. Religionsgemeinschaften können ihre Angelegenheiten grundsätzlich eigenverantwortlich regeln. „So etwas wie eine Lebensgemeinschaft zwischen Frauen ist natürlich für die Kirche undenkbar“, sagte Richter Ivo Moll. Dies rechtfertige aber nicht, die besonderen Elternzeit-Schutzbestimmungen außer Kraft zu setzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Frau aus dem Landkreis Neu-Ulm hatte ihre sexuelle Orientierung jahrelang geheim gehalten. Nach der Geburt ihres Kindes habe sie das ändern wollen, sagte die Erzieherin. Sie informierte ihren kirchlichen Arbeitgeber, dass sie eine Lebenspartnerschaft mit einer Frau eingegangen sei. „Ich wollte es sagen, um dieser Geheimnistuerei, dieser Lügerei, ein Ende zu setzen.“

Die Kirche sah in der Homosexualität einen schwerwiegenden Loyalitätsverstoß und wollte die 39-Jährige sofort hinauswerfen - trotz Elternzeit. Weil für Mütter in dieser Zeit aber besondere Schutzbestimmungen gelten, musste das Gewerbeaufsichtsamt zustimmen. Doch die Behörde weigerte sich. Die Pfarrkirchenstiftung zog deshalb gegen den Freistaat Bayern vor Gericht.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Sehe ich absolut genauso wie kroate82!!!Wer so leben will, soll das tun -wobei ich das immer schwer finde sobald Kinder ins Spiel gebracht werden- aber nicht in einem kirchlichen -zumindest aber nicht im katholischen Rahmen. Und zu der Sache mit der Lebenspartnerschaft: Das ist eine rechtliche Angelegenheit, mit christlichen Werten hier zu kommen finde ich schwierig. Die Ehe ist laut Bibel eine Institution zwischen Mann und Frau, und dafür gibt es zumindest keinen Gegenindiz- und wem diese Einstellung nicht passt, der sollte sich eben nicht in eine Gesellschaft begeben, die diese Meinung vertritt.

  • Ich weiß nicht, was die Frau hat. Wieso hat sie sich nicht gleich einen Arbeitgeber gesucht, der mit ihrer Lebensweise konform geht. Immer auf die katholische Kirche schimpfen. Die haben halt bestimmte Regeln, wenn es denn Leuten nicht passt sollen die sich woanders umgehen. Ganz einfach.

  • ch finde auch, daß die Kündigung hier nicht in Ordnung ist. Auch in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft werden schließlich christliche Werte gelebt. Menschen sind bereit, füreinander einzustehen und Verantwortung zu übernehmen.DerartigePartnerschaften abzuqualifizieren halte ich für zutiefst unchristlich. Eine Kirche, die Nächstenliebe predigt, aber eine Frau mit einem Kleinkind vor die Tür setzen will hat für mich jede Glaubwürdigkeit verloren.

    Ich möchte hier aber auch eine klare Forderung an unseren Staat richten: Die meisten kirchlichen Einrichtungen werden aus Steuergldern finanziert. Wer staatliche Mittel haben will, dem muß auch die uneingeschränkte Einhaltung des Antidiskriminierungsgesetzes zur Auflage gemacht werden. Im Klartext: Wer Menschen derart diskriminiert, darf keine staatlichen Gelder mehr erhalten!

    Auch sollte in diesem Fall ganz konkret geprüft werden, ob die kirchliche Trägerschaft des Kindergartens nicht beendet und der Kindergarten in staatliche oder kommunale Hände überführt werden kann. Wie man so etwas macht, das hat die Stadt Königswinter vorgemacht. Siehe hierzu:http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/katholische-kirche-kuendigt-kindergaertnerin-kommune-kuendigt-kirche-a-823317.html

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