Tsunami folgt auf Erdbeben
Mehr als 40 Tote in Indonesien

Indonesien wird derzeit von Naturkatastrophen erschüttert. Während der Vulkan Merapi offenbar kurz vor einem Ausbruch steht, wurden andere Teile des Inselstaats von Erdbeben getroffen. Der folgende Tsunami kostete zahlreiche Menschen das Leben.
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HB JAKARTA. Bei einem Tsunami sind in Indonesien mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte weitere Menschen wurden am Dienstag nach offiziellen Angaben vermisst. Die schwere Flutwelle hatte nach einem Erdbeben der Stärke 7,5 am Montag mehrere Inseln im Westen des Landes überrollt. 80 Prozent der Gebäude in der Region seien zerstört worden, hieß es im Fischereiministerium. Es fehle an Lebensmitteln.

Allein in dem Küstendorf Betu Monga hätten sich nach dem Tsunami nur 40 der 200 Einwohner gemeldet, sagte ein Vertreter des Fischereiministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Unter den 160 Vermissten seien viele Frauen und Kinder. "Menschen berichteten, dass sie ihre Kinder nicht festhalten konnten. Sie wurden weggerissen."

Auch die als Surferparadies bekannte Marconi-Ferienanlage auf der Insel Nord-Pagai wurde zerstört. Der Tsunami mit seinen drei Meter hohen Wellen habe Häuser praktisch zermalmt. Boote seien ineinander verkeilt worden und dann in Brand geraten, hieß es in Berichten, die über den Internetdienst "Facebook" verbreitet wurden.

Das australische Außenministerium berichtete, zum Zeitpunkt des Bebens sei der Funkkontakt zu einem Boot mit bis zu zehn Australiern abgebrochen.

Auch der erwachte Vulkan Merapi in Indonesien wird immer bedrohlicher. Innerhalb weniger Stunden registrierten Vulkanologen am Montagabend (Ortszeit) 137 vulkanische Eruptionen im Krater. Am Dienstag wurden die ersten Anwohner in Sicherheit gebracht: Für 300 Kinder und ältere Menschen richteten die Behörden im Distrikt Magelang Notunterkünfte ein. "Die anderen Einwohner sind in Alarmbereitschaft und jederzeit zur Flucht bereit, sollte es nötig werden", sagte ein Sprecher der Distriktverwaltung. In der umliegenden Gemeinden verteilten Helfer Zelte und Decken.

Der fast 3000 Meter hohe Merapi ("Feuerberg") ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Er liegt 25 Kilometer nördlich der Großstadt Yogyakarta auf der Insel Java. Im Umkreis wohnen mehr als drei Mio. Menschen, 40 000 davon an den Hängen des Vulkans. Viele Bauern wollen ihre Felder dort nicht verlassen. Die Lage ist beliebt, weil die Vulkanerde höchst fruchtbar ist.

Seit Tagen beobachten die Vulkanologen wachsende Spannungen in dem Krater. Das Magma steigt immer höher und die Hänge dehnen sich aus. Im Kraterinneren staut sich wahrscheinlich eine wachsende Gaswolke. Bei dem jüngsten Ausbruch 2006 hatte sich das Gas mit einer Fontäne entladen und Gerölllawinen ausgelöst. Zwei Menschen wurden getötet. Bei dem Ausbruch 1994 kamen 66 Menschen um. Bei dem großen Ausbruch 1930 wurden 13 Dörfer vernichtet, 1370 Menschen starben.

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