Tsunami vor Kameras: Das Beben der Bilder

Tsunami vor Kameras
Das Beben der Bilder

Lange bevor ein einziges Todesopfer bestätigt war, beherrschte das Beben in Japan die Nachrichtenlage. Grund dafür war auch die perfekte mediale Dokumentation der Katastrophe im hochtechnisierten Industrieland Japan.
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Nicolas Sarkozy war der Einzige, der das Thema Libyen halbwegs auf der Agenda hielt: Um 11.55 Uhr am Freitag, zu einer Zeit, in der die Eilmeldungen der Nachrichtenagenturen sich nahezu ausschließlich mit der Tsunami-Katastrophe in Japan befassten, drang der französische Provokateur in Form der einzigen Nicht-Tsunami-Eilmeldung des Vormittags in die Nachrichtenredaktionen der Republik vor. Mit seiner beim EU-Sondergipfel geäußerten Forderung, als letztes Mittel gegen Gewalttaten des Gaddafi-Regimes mit "gezielten Aktionen" vorzugehen, durchbrach der französische Staatschef die Phalanx der Chaosmeldungen aus Japan.

Der Konflikt war zu diesem Zeitpunkt schon weitestgehend fortgeschwemmt aus der Nachrichtenlage - an einem Tag, von dem zu diesem Zeitpunkt noch keiner sagen konnte, ob er nicht entscheidend sein würde für den Fortlauf der militärischen Auseinandersetzung zwischen Oppositionellen und Regimetruppen.

Libyen, schon in den vergangenen Tagen nicht gerade mehr ein Quotenbringer auf den Onlineseiten der Nachrichtenportale, hatte dem Ansturm der Bilder aus Japan nichts entgegenzusetzen. Angesichts der perfekten Dokumentation eines Unglücks in einem hochtechnisierten Land verschwand der schwer zu dokumentierende militärische Konflikt in Nordafrika nahezu umgehend aus den Top-Aufmacher-Spalten und Nachrichtenübersichten. Dort hatte er es schon in den letzten Wochen nicht einfach gehabt - angesichts der telegenen "Causa Guttenberg".

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