Türkei und der Nachwuchs
Erdogan will das 100-Millionen-Volk

Mindestens vier Kinder müsse jede türkische Familie in die Welt setzen, fordert Präsident Recep Tayyip Erdogan. Halit Tekin hat sein Soll bereits übererfüllt: 32 Kinder zeugte der 54-Jährige. Das reicht ihm noch nicht.
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DiyarbakirSeit Jahren mahnt Erdogan die Türkinnen, für reichlich Nachwuchs zu sorgen: Wenn eine Familie nur ein Kind oder zwei habe, bedeute das „den Bankrott“ für die Türkei, verkündete Erdogan im Januar 2013. Nur wenn jedes Ehepaar mindestens drei Kinder zeuge, könne die Türkei die Gefahr der Überalterung bannen und zu einer Weltmacht aufsteigen.

Im September 2013 legte Erdogan nach: „Drei Kinder sind nicht genug, ihr solltet vier haben“, sagte er in der Provinz Denizli anlässlich der Eröffnung eines Geothermie-Kraftwerks zu einer Gruppe von Anhängerinnen.

Halit Tekin ist schon viel weiter. Erdogan dürfte seine Freude an dem Familienvater aus der Stadt Reyhanli unweit der syrischen Grenze haben: Mit seinen vier Frauen hat der Mann bereits 32 Kinder in die Welt gesetzt, 20 Mädchen und zwölf Jungen.

Und damit soll nicht Schluss sein. Er wolle 50 Kinder zeugen, sagte Tekin der Nachrichtenagentur Dogan. Da muss er sich allerdings beeilen, denn seine beiden jüngsten Frauen sind immerhin schon 41. Notfalls müsste sich der schnauzbärtige Mann wohl eine fünfte, jüngere Frau zulegen.

Seine erste Frau Nihal heiratete Tekin 1982. Sie war damals 15. Die Ehe mit Nihal ist die einzige offizielle Verbindung, denn Polygamie ist in der Türkei verboten, wenngleich sie vor allem im Osten und Südosten des Landes weithin praktiziert wird. Nach einer Erhebung aus dem Jahr 2013 leben fast 400.000 türkische Männer in polygamen Beziehungen.

Neben seiner offiziell angetrauten Gattin Nihal gehören die Frauen Gül Sasar (41), Zekiye Kogu (41) und Fatma Budak (54) zur Familie. Streit gebe es unter seinen Frauen nicht, berichtete Tekin dem Reporter der Agentur Dogan, sie leben in getrennten Wohnungen.

Kommentare zu " Türkei und der Nachwuchs: Erdogan will das 100-Millionen-Volk"

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  • @ Mathias Tissens „....nämlich ausländerfeindliche Richtung.“

    Das hatte gefehlt. Diese Debatte befaßt sich mit dem Kern islamischer „Bevölkerungspolitik“ und die ist nicht auf das Individuum ausgerichtet, sondern auf die Masse. Erdogan ist auch nicht der erste, der diesen Geburtenzuwachs propagiert, vor ihm war es u.a. Demirel, der in den 1970er Jahren gegenüber Kanzler Schmidt konstatierte, daß die Türkei in 50 Jahren größer als Deutschland sein würde. Mit „Ausländerfeindlichkeit“ hat das nichts zu tun. Auf der anderen Seite muß man feststellen, das gerade Erdogan ein Hang zur „Größe“ nicht abzusprechen ist, man kann dies auch als Größenwahn bezeichnen.
    Was die Maßnahmen der BR betrifft, kann ich nichts erkennen, was in Richtung „mehr Kinder bei Deutschen“ geht. Ich erkenne, daß die ergriffenen Maßnahmen dazu führen, daß besonders Zuwanderer aus dem islamischen Bereich überproportional mehr Kinder in D in die Welt setzen und nicht gewillt sind ihre Kinder in Kindergärten zu schicken, sondern sie im Sinne ihrer Herkunft zu sozialisieren, mit den hinlänglich bekannten Problemen, die sich aus dieser Parallelwelt mit der einheimischen Bevölkerung ergeben.
    Die TR betreffend, wäre sie gut beraten eben nicht dem Machtanspruch des Erdogan zu folgen, sondern sich zurückzuhalten, denn diese Menschen müssen auch ernährt werden usw. und dazu ist die TR schon heute nicht wirklich in der Lage.

  • Leider geht der überwiegende Teil der Debatte in die falsche, nämlich ausländerfeindliche Richtung. Wenn ich richtig orientiert bin, ist es doch das erklärte Ziel der Bundesregierung, die Geburtenrate zu steigern - mit bislang teuren, jedoch erfolglosen Maßnahmen. Insoweit erscheint mir das Bemühen der Türkei, einer stagnierenden Bevölkerungsentwicklung zu begegnen, absolut legitim. Über die Form der "Motivation" lässt sich natürlich streiten. Also: keep cool.

  • Dieser Islamist Erdogan ist so was von gefährlich. Anscheinend wissen das viele politische Kräfte nicht oder wollen das nicht wissen.
    In einem Leserbrief an FAZ habe ich Erdogan als Islamist bezeichnet, der Brief wurde nicht veröffentlicht. Auf meine Anfrage hin; warum nicht, war genau diese t.Bezeichnung der Grund. So sind sie halt gestrickt
    Dieser Mann ist nicht nur gefährlich - er ist Größenwahnsinnig.

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