TÜV Rheinland: „Gebäude-TÜV“ soll Katastrophen verhindern

TÜV Rheinland
„Gebäude-TÜV“ soll Katastrophen verhindern

Der TÜV Rheinland hat dazu aufgerufen, Konsequenzen aus den Einsturzkatastrophen von Bad Reichenhall und Kattowitz zu ziehen. Regelmäßige Checks für Hallen mit großen freitagenden Dachkonstruktionen sollen vorbeugen. Die Bauministerien lehnen jedoch ab.

HB KÖLN. Die Bauministerien der Länder sprachen sich nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ mehrheitlich gegen die Einführung eines allgemeinen „Gebäude-TÜVs“ aus. Das ergab eine Umfrage der Zeitung.

Gebäude müssten nicht so oft wie Autos vom TÜV geprüft werden, aber Checks alle fünf oder acht Jahre könnten sich als sinnvoll herausstellen, sagte Wolfram Oppermann vom TÜV Rheinland in einem dpa-Gespräch in Köln. Eine absolute Sicherheit gebe es zwar nicht. „Aber das Risiko würde deutlich reduziert und die Sicherheit angehoben“, sagte Oppermann.

Neun von 16 Bauministerien lehnen laut „Welt am Sonntag“ einen Gebäude-TÜV ab. Brandenburg, Bremen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Sachsen-Anhalt wollen die Besprechung der Länder für ein abschließendes Urteil noch abwarten. Hamburg und Bayern wollten sich nicht äußern. Am Montag treffen sich die Landesminister mit Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD), um über die Konsequenzen aus der Katastrophe von Bad Reichenhall zu beraten.

Der TÜV Rheinland und andere Organisationen haben wegen der Sorgen in vielen Städten und Gemeinden bereits Schnell-Checks entwickelt. „Wir bekommen viele Anrufe von Kommunen, die gar nicht wissen, was sie tun sollen“, sagte Oppermann. Ob das Risiko bei der Halle in Bad Reichenhall durch einen solchen Schnell-Check erkannt worden wäre, lasse sich nicht sagen, weil die Ursache ja noch unklar sei. Risse oder andere Schwachpunkte tragender Teile würden aber entdeckt.

Bislang ist kein solcher Gebäude-TÜV für die Standfestigkeit vorgeschrieben. Regelmäßig überprüft wird nur die Innenausstattung wie Klima- und Elektrotechnik oder Brandschutz. „Was die Statik angeht, gibt es Prüfungen nur während der Genehmigungs- und Bauphase. Während der Betriebsphase wird nicht mehr geprüft, außer zum Beispiel bei Brücken“, sagte Oppermann.

Es sei auch nicht nötig, für alle Bauten eine Prüfpflicht einzuführen. Fachleute sollten aber Kriterien erarbeiten, mit denen gefährdete Gebäudetypen erkannt werden können. „So erhält man eine Einteilung in Gebäude, die völlig unkritisch sind, bis hin zu Gebäuden, die man sich öfter mal anschauen sollte.“ Bei besonders kritischen Teilen könnten auch Sensoren angebracht werden, die die Konstruktion ständig überwachen. Diese Technik wird schon bei Brücken eingesetzt.

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