TV-Geschichte
Wie zwei ungewollte Outings die Gesellschaft veränderten

Vor 20 Jahren outete Rosa von Praunheim die TV-Lieblinge Hape Kerkeling und Alfred Biolek als schwul - es war einer der größten Skandale der TV-Geschichte. Wie wichtig war er für die deutsche Gesellschaft?
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Köln/BerlinBärendienst oder Freundschaftsdienst? Einen Tag nach dem 27. Geburtstag von Hape Kerkeling tritt der Schwulenaktivist Rosa von Praunheim im Fernsehen auf und outet in einer beispiellosen Aktion den TV-Liebling gegen dessen Willen als homosexuell. An diesem Samstag (10.12.) jährt sich der legendäre Auftritt in der RTL-Krawallshow „Explosiv - Der heiße Stuhl“ zum 20. Mal. Ein Stück Fernsehgeschichte beziehungsweise, wenn man so will, ein Höhepunkt der TV-„Gay“schichte.

„Mein Outing von schwulen Prominenten war ein Verzweiflungsschrei auf dem Höhepunkt der Aidskrise“, erklärt der heute 69-jährige Rosa von Praunheim auf seiner Website. Ihm ging es damals darum, schwule
Sympathieträger, die versteckt lebten, zur Solidarität mit der Homosexuellengemeinschaft zu bewegen, weil es in ihr die meisten HIV-Infizierten und Aids-Toten zu beklagen gab.

Dass er Kerkeling und auch Alfred Biolek outete, bereut der Filmemacher („Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“) keineswegs. „Beide haben ja davon profitiert“, meinte er noch
kürzlich. Der damalige RTL-Moderator Ulrich Meyer erinnert sich zum 20. Jahrestag: „Das war damals leider viel zu blauäugig von mir. Ich habe Alfred Biolek und Hape Kerkeling deshalb nie eine Erklärung aufgenötigt oder sie um Entschuldigung gebeten. Das war unverzeihlich...“

In der „Berliner Zeitung“ erklärte von Praunheim im vergangenen August: „Auf dem „heißen Stuhl“ machte ich mir keine Freunde. Trotz dieses Tabubruchs äußerten sich sogar die von mir geouteten Prominenten Alfred Biolek und Hape Kerkeling im Nachhinein versöhnlich zu meiner Aktion, die ich heute nicht mehr wiederholen würde.

Auf jeden Fall änderte sich die einseitig negative Berichterstattung in den Medien über Schwule zum Besseren.“ Doch direkt nach der RTL-Show titelte die „Bild“-Zeitung am 12. Dezember 1991 erstmal: „Pfui, Rosa! Schwulen-Verrat im TV“ und machte damit das Outing erst so richtig bekannt. Die Sendung selbst hatten am 10. Dezember, abends zwischen 22 und 22.50 Uhr, nach Angaben von Media Control im Schnitt 4,02 Millionen Menschen gesehen (21,0 Prozent Marktanteil).

Seite 1:

Wie zwei ungewollte Outings die Gesellschaft veränderten

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Die Leute reagierten „irre normal, sogar in der bayerischen Provinz".

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  • Das ist eine Ewigkeit schon her...

    Die Gesellschaft hat sich im Bereich des Umgangs mit homosexuellen Paaren in Deutschland um 180 Grad gewandelt.

    Mittlerweile sind wir gottseidank so weit, das die homosexuelle Paarbeziehung staatlicherseits mit Öffnung der Standesämter seit über 10 Jahren anerkannt wurden. Homosexuelle Paare, die zum Standesamt gehen, haben heute überwiegend die gleichen Rechte wie verheiratete heterosexuelle Paare. Nur noch im Einkommenssteuerrecht und im Adoptionsrecht diskriminiert der deutsche Staat, aber das dürfte sich in den kommenden Jahren auch noch zugunsten homosexueller Paare ändern.

    Viele verpartnerte lesbische Paare haben eigene Kinder und bilden Regenbogenfamilien und es ist nur mehr als fair, wenn sie einkommenssteuerlich genauso behandelt werden wie ein heterosexuelles Paar mit Kindern.

    Übrigens andere Länder in Europa wie Belgien, Niederlande, Spanien, Portugal, Schweden, Norwegen, Dänemark oder Island sind schon weiter, dort wurde die Ehe ganz geöffnet und es gibt überhaupt keine Unterschiede mehr.


  • Heutzutage ist es mutig, zuzugeben, daß man absolut heterosexuell ist. Noch mehr Mut braucht es, zuzugeben, daß man auch noch verheiratete Hausfrau ist. Und wenn man dann noch mehr als zwei Kinder (nicht durch künstliche Befruchtung gezeugt) hat und einem keineswegs der Sinn danach steht, mit der lesbischen Freundin eine Patworkfamilie zu gründen ... Ein Skandal!

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