TV-Kritik Illner und Beckmann: „Kein Scherbengericht über Uli Hoeneß“

TV-Kritik Illner und Beckmann
„Kein Scherbengericht über Uli Hoeneß“

Das gibt es selten bei ARD und ZDF: Maybrit Illner und Reinhold Beckmann diskutierten am Donnerstagabend über exakt dasselbe Thema. Interessant für alle Talkshowmacher – fürs Publikum aber nur sehr bedingt.
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Als Maybrit Illner Donnerstagnacht gegen 23.30 Uhr, nachdem sie in ihrer ZDF-Talkshow eine Stunde lang über das Urteil gegen Uli Hoeneß diskutiert hatte, an den Kollegen Markus Lanz übergab, hätten Anhänger vergleichsweise gehobener Talkshows eigentlich bruchlos zur ARD umschalten können. Dort sollte just Reinhold Beckmann mit seiner 75-minütigen Sendung starten. Thema natürlich: das Urteil gegen Hoeneß.

Allerdings verschob sich Beckmanns Show noch um eine Viertelstunde, da die ARD schon um 20.15 Uhr einen „Brennpunkt“ zum Fall des Bayern-Präsidenten ins Programm geschoben hatte. Was immer sich ARD und ZDF vorwerfen lässt: dass sie nicht sämtliche Aspekte des Hoeneß-Urteils aus vielen Mündern zu Gehör gebracht hätten, das sicher nicht.

Beckmanns erste Frage in die Runde war dann die, die Maybrit Illner zuvor bereits gestellt hatte: ob das Urteil gerecht sei. Zu hören waren daraufhin dieselben Wortbestandteile wie bei Illner, der ohnehin in den letzten Tagen intensivst geführten Hoeneß-Debatte – Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt, die Lebensleistung des Bayern-Managers bleibt, die Schwierigkeiten der Selbstanzeige. Auch waren die Rollen in den beiden Talkshows gleich besetzt: jeweils ein Anwalt für Steuerstrafrecht, ein bekannter Journalist und ein eingefleischter Bayer von der CSU waren vertreten.

Doch immerhin: Wer nach der müden Runde im ZDF eingenickt war, wurde noch einmal aufgeweckt. Im direkten Vergleich lieferte Beckmann ein Musterbeispiel dafür, wie sich einem Thema, zu dem in den Stunden und Tagen zuvor schon so gut wie alles geäußert worden ist, ein paar halbwegs frische Aspekte abgewinnen lassen – zum Beispiel durch den Mut, das, was schon ausführlich diskutiert worden ist, einfach mal vorauszusetzen.

Der Anwalt in Beckmanns Studio, Karsten Randt, zeigte sich gespannt auf die Entscheidung des Bundesgerichtshofs, weil ein vergleichbarer Selbstanzeigen-Fall höchstrichterlich noch nicht geklärt worden ist. Der Journalist in derselben Runde war Heribert Prantl. Der lebhafte Leitartikler der „Süddeutschen Zeitung“, selbst Jurist, fand die vier Verhandlungstage zu wenig dafür, wie rasant die Summe des hinterzogenen Steuerbetrags im Verlauf angestiegen war. Randt nahm den Ball auf und sprach von einem „Geschmäckle“ des Verfahrens.

CSU-Mann Erwin Huber, ehemaliger bayerischer Finanzminister, sagte gesetzgeberische Reformen bei der Selbstanzeige vorher. Und anders als bei Illner saß in Beckmanns Gästerunde eine Frau. Die Wirtschaftsethikerin Annette Kleinfeld plädierte für eine Abschaffung der Selbstanzeige, sofern das Steuerrecht vorher vereinfacht werde. Fünfter Gast war ein ehemaliger Steuerfahnder, Frank Wehrheim, der die Zunahme von Selbstanzeigen nicht bloß auf die vielen prominenten Fälle von Steuerstraftätern und auf angekaufte CDs zurückführte, sondern auch darauf, dass viele Schweizer Banken ihre deutschen Kunden längst dazu drängten.

Vor allem Prantls lebhafte Körpersprache steckte an, sodass schließlich fast alle Hände beim Gestikulieren durch die Luft fuhren und zumindest Leben in der Bude war. Selbst Ralf Stegner, der mitunter bärbeißig wirkende stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende aus Schleswig-Holstein, machte mit. Er sprach von „Reichenkriminalität“, übernahm es im Gegenzug aber auch, auf Hoeneß' bleibende Verdienste hinzuweisen. Dazu hatte Beckmanns Redaktion, anders als Illners, die gute Idee, diese Lebensleistung nicht bloß in Worten zu beschwören, sondern in einem Einspielfilm zu zeigen. Fußballbilder haben ARD und ZDF schließlich genug im Archiv.

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Illners Herrenrunde zerknirscht wie Hoeneß

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  • Wir sollten das Thema: Rechtsbeugung seitens des Gerichts aufnehmen, was in dieser Sendung indirekt bereits angesprochen wurde.

    Auch der richter war vor der Verkündung seines Urteils bereits darauf eingegangen.

    Um was geht's?

    Es war Aufgabe des Gerichts den hinterzogenen Steuerbetrag festzustellen. Es ist der Angabe der Steuerfahnderin gefolgt, hat sie für glaubwürdig empfunden.

    Die Schweizer Bank hatte einen Gewinn von ca. 6 mio. € angegeben. Die Staatsanwaltschaft hat von 3,5 mio. € hinterzogenen Steuern gesprochen. Ulli Hoeneß war bereit 18 mio. € zu akzeptieren, um reinen Tisch zu machen. Die Steuerfahnderin hat 27 mio. € geboten und eingeräumt, nicht alle Geschäte berücksichtigt zu haben.

    Im der gestrigen TV-Diskussionsrunde wurde auch von kompetenter Seite Zweifel darin gehegt, dass man in der angegebenen Zeit (seitens der Steuerfahnderin) überhaupt fachlich in der Lage sein kann, ein derartiges Geschäftsvolumen zur steuerlichen Bewertung überhaupt bewerten kann.

    Daher sind berechtigte Zweifel an der Feststellung des Gerichts, dass Herr Hoeneß ca. 27 mio. € an Steuern hinterzogen habe, angebracht.

    Wie wäre dann mit der nicht vorgenommenen Aufklärung seitens des Gerichts und nicht zuletzt mit der falschen Angabe der Steuerfahnderin umzugehen?

    Bayern hat einen zweiten "Fall Mollath"!

  • Bei allem Verständnis für den Menschen Hoeness. Der Herr hat mit Millionengewinnen jongliert und als Vorstand eines riesigen Konzern mit 500 Mio. Euro Umsatz war ihm mit Sicherheit immer bewußt, dass man Gewinne versteuern muss. Wer gegen Gesetze verstößt, begeht keine Fehler, er begeht eine Straftat. Und Straftaten werden nicht dadurch besser, dass man "gute" Taten dagegen rechnet.......
    Abgesehen von der Strafe und den Nachzahlungen wäre sicher interessant, zu wissen, wie viele Steuern der Herr trotzdem gespart hat, was also unter der Verjährung fällt....

  • @ Laudrup68

    - hätten Sie auch einen Link zu dieser Sendung ?

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