TV-Kritik
„Wetten, dass..?“ ist endlich zu Ende

Nett kuriose Wetten mit Kindern, Hunden, Leberwurst und Autos - und endloses Gequatsche mit Prominenten: Die traditionsreiche ZDF-Show ist nach 33 Jahren endlich Geschichte. Denn Markus Lanz hat das Konzept totgeritten.
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Es war kurz vor Mitternacht, als Moderator Markus Lanz mit den Worten "Eine Ära geht zu Ende" und "Machen Sie's gut, das Leben geht weiter" die allerletzte "Wetten, dass..?"-Sendung beendete. Ein letztes Mal beschwor er die Badewannen- und Salzstangen-Erinnerungen der heute Um-die-40-Jährigen an ihre Kindheit in den 1980er Jahren, in denen Frank Elstner die Show groß gemacht hatte. Dann kürte der als Weihnachtsmann verkleidete Schauspieler Wotan Wilke Möhring den letzten Wettkönig, dann war endlich Schluss.

Bis dahin hatte Lanz mit eventuellen letzten Bedenken, es könnte um die traditionsreiche Show schade sein, gründlich aufgeräumt. Bei der letzten Wette wollte der Kandidat an Texten, während sie ihm vorgelesen wurden, die Buchstaben mitzählen und jeden Buchstaben an beliebiger Position in den Texten nennen können. Dafür wurden die Prominenten gebeten, dreistellige Zahlen zu nennen. Helene Fischer nannte erst eine bloß zweistellige und dann die 100, Til Schweiger die 101. Klares Signal: Es dauerte Allen, auch den Studiogästen, zu lang; jeder wollte, dass es vorbeiging. "Eine #wettendass-Stunde sind sieben Menschenstunden", lautete ein bezeichnender Tweet.

Diese Wette selbst war kurios unterhaltsam, so wie die übrigen auch - es waren aber nur fünf Stück in dreieinhalb Stunden. Quälend war die Mischung. Vor allem das endlose Gequatsche mit Prominenten stand in bemerkenswertem Kontrast zur Hektik, in der Lanz die Wetten abfrühstückte. "Du sollst dich hier nicht verquatschen", fuhr er einen blinden Marburger an, der seine komplizierte Wette, Puzzleteile mittels Echoortung in ein Puzzle einzufügen, in eigenen Worten erläutern wollte.

Deutschland

TV-Zuschauer der ZDF-Show Wetten, dass..? mit Markus Lanz

von Oktober 2012 bis November 2014, in Millionen


Die zweite Wette nach 70 Minuten hatte gleich drei prominente Wettpaten. Otto Waalkes, Bully Herbig und Pro Sieben-Moderator Elton sollten sich einigen, ob sie auf ein Gelingen der Wette setzten oder nicht, und beratschlagten. "Ja, nein ... ist doch scheißegal", unterbrach Lanz. Aus seiner Sicht war es das wohl. Er interessiert sich eher für Talken als für Wetten, und für die Aufgaben, die die Paten einlösen mussten, wenn ihre Prognosen nicht zutrafen.

Bei dieser Wette wollte ein Siebenjähriger mit verbundenen Augen Hunde daran erkennen, wie sie auf seinem Handrücken aufgetragene Leberwurst abschleckten. Mit viel freundlicher Hilfe gelang es ihm. "Leck zart!", forderte er immer wieder Hunde auf - Stoff für höhnische Witze in den sogenannten sozialen Medien, die Lanz bei "Wetten, dass..?" heftig entgegenschlägt. Nach der Wette wurde dann Eltons Wange mit Leberwurst bestrichen und von einem Hund abgeleckt.

Kommentare zu " TV-Kritik : „Wetten, dass..?“ ist endlich zu Ende"

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  • Ich fand das schon immer: krass furchtbar und man muss sich fragen ob es in diesen "harten" Zeiten nicht schon viel eher mit solchen Dabbelsendungen Schluss sein muss.
    Immerhin zahlen die normalen Bürger über ihre GEZ-Steuer diesen ganzen KlimBim.

    Aber naja: Brot und Spiele; das beschäftigt das Volk und lenkt ab.

  • Keiner ist besser geeignet den Bestatter zu geben als der Dampfplauderer Markus Lanz.

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