U-Bahn-Fahren in London
Wenn sich fünf Millionäre einen Quadratmeter teilen

Für die, die täglich auf sie angewiesen sind, ist sie ein Hassobjekt, für viele Touristen, Künstler, Architekturfans dagegen Kult: die Londoner U-Bahn, die heute vor 150 Jahren ihren Betrieb aufgenommen hat.
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LondonUm das gleich am Anfang loszuwerden: Ich fahre nicht oft mit der Londoner U-Bahn. Ich bin meist mit dem Fahrrad unterwegs. Das ist schneller, bequemer und billiger. Ich gehöre daher nicht zu den Experten, die wissen, wie man sich zur Hauptverkehrszeit am besten in überfüllte Züge quetscht; in welchen Zugteil man einsteigen sollte, um den Weg zum Stationsausgang am Ziel möglichst kurz zu halten; wie man besonders stark belastete Bahnstrecken vermeidet und wo bei den U-Bahn-Szenen im neuen James-Bond-Film „Skyfall“ getrickst wurde.

Ich kann auch nicht einstimmen in die Klagen über die schlechte Luft und die Hitze in dem unterirdischen Verkehrssystem. Mehr als 40 Grad Celsius werden im Sommer gelegentlich in der Londoner U-Bahn gemessen. Laut EU-Richtlinie sind Schlachtviehtransporte bei mehr als 35 Grad verboten.

Ich fahre im Schnitt zwei- oder dreimal im Monat mit der U-Bahn. Und dann freu ich mich eher über die angenehmen Temperaturen unter Tage – eine Abwechslung zu dem Wind und Regen, der häufig durch die Londoner Straßen peitscht. Und immer staune ich über zwei Dinge: wie zuverlässig eine Infrastruktur noch funktionieren kann, die teilweise aus der Ära von Königin Viktoria stammt, und wie gut man Sozialstudien in der U-Bahn betreiben kann.

An keinem anderen Ort in der britischen Hauptstadt drängen sich auf so engem Raum Menschen mit Jahreseinkommen in Millionenhöhe. Zu Stoßzeiten teilen sich schon mal sechs Pendler einen Quadratmeter. Da stehen schwitzende Trader, Übernahmeexperten und Fondsmanager neben Putzfrauen, Arbeitslosen und Sozialfällen.

In der U-Bahn macht es keinen Unterschied, ob man Geld hat oder nicht. Und unabhängig davon vertreiben sich die meisten die Fahrzeit mit Lesen und blättern stoisch in ihren Schmökern, selbst wenn ihr Kopf in der Achselhöhle des Mannes neben ihnen steckt. Sie ignorieren einfach alles, was um sie herum passiert.

Selbst die reichen Londoner wissen: Wenn sie irgendwo pünktlich zum Termin erscheinen wollten, müssen sie in die Tube steigen. Das Auto ist keine Alternative. Deutsche-Bank-Mitarbeiter in London erzählen gerne die Geschichte über das ehemalige Vorstandsmitglied Hermann-Josef Lamberti, der angeblich mal eine wichtige Sitzung in der Londoner City verpasste, weil er als einziger Teilnehmer mit einem Auto mit Chauffeur vom Flughafen zu seinem Termin fuhr und dann stundenlang im Stau steckte.

Diese Gleichheit zwischen Arm und Reich existierte nicht von Anfang an in der Londoner U-Bahn. Zunächst gab es dort drei Klassen mit unterschiedlich bequemen Sitzen und verschiedenen Fahrkartenpreisen. Es waren auch die Reichen, die Menschen mit Einladung, die als allererste mit dem neuen revolutionären Verkehrsmittel fahren durften – heute vor genau 150 Jahren auf einer etwa sechs Kilometer langen Strecke zwischen den Bahnhöfen Paddington und Farrington. Erst einen Tag später, am 10. Januar 1863, durfte der gemeine Londoner einsteigen. Die „Metropolitan Railway“ wurde der Öffentlichkeit übergeben.

Kommentare zu " U-Bahn-Fahren in London: Wenn sich fünf Millionäre einen Quadratmeter teilen"

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  • London. Lebt man dort, liebt und hasst man es zur selben Zeit. Verlässt man es irgendwann, stellt sich doch schnell wieder eine Sehnsucht nach dieser Weltstadt ein. Schwer zu beschreiben eigentlich: Vielleicht ist es das Tempo dieser Stadt, vielleicht auch nur die gesunde Portion Masochismus, die man in dieser Stadt zum überleben braucht, am Ende bildet man sich ein, dass wenn man in London überleben kann, kann man eigentlich überall in der Welt klarkommen!

  • Die U-Bahn ist in der Rushhour die absolute Hölle. Ich würde dann immer ein Taxi nehmen.
    Zu allen anderen Tageszeiten ist die u-bahn aber ok.

  • "Tube" fahren ist einfach Kult, obwohl das System völlig veraltet ist. Ich lebe zwischenzeitlich in London und es ist für mich immer wieder ein Erlebnis die U-Bahn zu nehmen wenn ich irgendwo hin muss. Man kommt nunmal mit der Tube am schnellsten von A nach B, auch wenn man dabei viele Londoner unfreiwillig drückt. Manchmal ist es so voll, dass man, wenn man die Füsse einzieht, noch nicht einmal umfällt.

    Was man auch beobachten kann: Nur Touri-Frauen tragen high-heels, die Frau von Welt in London trägt Turnschuhe oder Ballerinas zum Kostüm in der Tube und hat die Stolpertreter in einer übergrossen Handtasche versteckt.

    Gut planen kann man seine Fahrt mit der Tube auf der Website von "Transport for London", damit kann man auch den Zeitfaktor abschätzen. Und mit einer Oystercard macht das ganze dann gleich noch mal so viel Spass.

    Man muss auch wissen, dass man einfach mit dem Strom laufen muss. Nie stehen bleiben, sonst wird man überrannt. Und auf der Rolltreppe: Stand on the right, please! Egal wie lang die Rolltreppe ist, man wird immer von schnelleren Personen überholt.

    I love London !

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