U-Bahn-Schläger von Berlin
Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft

Für die brutale Attacke auf einen 29-jährigen in der Berliner U-Bahn droht dem mutmaßlichen Täter eine Jugendstrafe wegen Totschlags. Die Anwältin der Nebenkläger bezeichnet die Tat gar als Mordversuch.
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BerlinWegen der brutalen Attacke auf dem Berliner U-Bahnhof Friedrichstraße hat die Staatsanwaltschaft für den Angeklagten Torben P. eine Jugendstrafe von vier Jahren wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung beantragt. Der Gewaltexzess sei „rücksichtslos und lebensverachtend“ gewesen, hieß es am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht.

Nach dem Antrag der Opferanwältin soll der Angeklagte sogar wegen versuchten Mordes zu vier Jahren Jugendstrafe verurteilt werden. Die Vertreterin der Nebenklage sagte am Donnerstag vor dem Berliner Landgericht, die Tat des 18-Jährigen zeuge von einem menschenverachtenden Vernichtungswillen.

Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass der 18-Jährige am Karsamstag auf dem Bahnsteig einen damals 29-Jährigen nach einem Streit mit einer Flasche niedergeschlagen und ihm dann viermal wuchtig gegen den Kopf getreten hatte. Das Opfer erlitt eine Gehirnerschütterung, mehrere Platzwunden und einen Nasenbeinbruch.

Ferner hatte der 18-Jährige gemeinsam mit einem mitangeklagten Freund einen Touristen aus Bayern, der dem Opfer helfen wollte, zusammengeschlagen. Bei dem Gewaltexzess von Torben P. hatte der Freund tatenlos zugesehen. Gegen ihn wurden wegen unterlassener Hilfeleistung sowie gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung und Nötigung drei Wochen Dauerarrest sowie 100 Stunden Freizeitarbeit und die Teilnahme an einem Ersten-Hilfe-Kurs gefordert.

Das Motiv der Tat blieb auch für die Staatsanwaltschaft ungeklärt. Ihrer Ansicht nach waren beide Angeklagte am Tattag „geradewegs auf Streit aus“ und hatten die Auseinandersetzung mit dem Opfer provoziert. Ihnen wurde zwar eine „erhebliche Alkoholisierung“ bescheinigt, doch die behaupteten Erinnerungslücken von Torben P. hinsichtlich der Tritte gegen den Kopf es Opfers sah die Staatsanwaltschaft als „Schutzbehauptung“ an. Für sie steht fest, dass der 18-Jährige in der Lage war „bewusst und gezielt ausschließlich gegen den Kopf“ des Opfers zu treten. Die Alkoholisierung sei nicht „so maßgeblich“ gewesen, wie er behauptet habe.

Seine Einlassung im Prozess sei von „Beschönigungen“ und von einer „Abweisung der Verantwortung“ geprägt und kein umfassendes Geständnis, hieß es weiter. Torben P. hatte ausgesagt, aus einem „Gefühl der Angst“ mit der Flasche zugeschlagen zu haben, als das Opfer mit „ausgestrecktem Arm“ auf ihn zu kam. „Das war die blanke Aggression und keine Angst“. Nach dem „erfolgreichen K.o-Schlag“ habe er bewusst auf das regungslose Opfer eingetreten und sei danach um den Mann „herumgetänzelt“. Ein Passant hatte den Gymnasiasten weggezogen, als dieser zu einem weiteren Tritt ausholte. „Er musste regelrecht gestoppt werden“, hieß es.

Um sich aus dem Griff des mutigen Helfers zu befreien, habe Torben P. insgesamt 16 Mal auf den Mann eingeschlagen und schließlich den Mitangeklagten mit den Worten „Gib ihm Bomben“ aufgefordert, einzugreifen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft hatte der Mitangeklagte bis dahin „wie paralysiert“ daneben gestanden und war dann „zögernd“ eingeschritten.

Eine Überwachungskamera hatte den Gewaltexzess damals gefilmt. Der Vorfall löste eine erneute Debatte über den Umgang mit jugendlichen Gewalttätern aus. Die Plädoyers der Verteidigung wurden ebenfalls am Mittwoch erwartet.

 

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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