Über 100 Deutsche betroffen
Autocamper auf schwedischen Rastplätzen überfallen

Mehr als 100 deutsche Autocamper sind in diesem Sommer auf Rastplätzen in Schweden überfallen und ausgeraubt worden. Zum Ende der Ferienzeit meint die Polizei in dem skandinavischen Land, dieser „radikale Anstieg“ von Überfällen durch Wegelagerer könne bei etwas mehr Vorsicht der Urlauber sehr schnell wieder eingedämmt werden.

HB/dpa STOCKHOLM. Dass von 142 gemeldeten Überfällen 80 Prozent auf Wohnmobile oder Wohnwagen mit deutschen Kennzeichen verübt worden sind, führt der Experte der Kriminalpolizei, Per-Arne Nilsson, auf zwei Gründe zurück: „Die Deutschen sind in der Regel recht unerfahrene Autocamper und außerdem bekannt dafür, dass sie eine Menge Wertsachen mit sich führen.“

Die nach Meinung der Polizei aus dem Balkan kommenden Täter machten ihre Beutezüge, während die Opfer schliefen. Untersuchungen nach einem Überfall auf einen dänischen Wohnwagen in der vergangenen Woche bewiesen, dass zur Betäubung der Opfer Hexangas eingesetzt worden ist. Das bestätigte einen Verdacht der Polizei, nachdem Betroffene immer wieder berichtet hatten, sie seien am Morgen nach dem Überfall mit Kopfschmerzen oder einem flauen Gefühl wie bei einem Kater aufgewacht.

Nilsson nennt „internationale Aktivitäten von Spezialisten aus dem früheren Jugoslawien“ als Hintergrund für die plötzliche Ausbreitung solcher Überfälle auf das sonst als äußerst friedliches Urlaubsland geltende Schweden. Auch aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland werde Ähnliches berichtet. Die Täter machten sich die in der Regel äußerst schlechte Qualität der Türschlösser von Wohnwagen zu Nutze, zu der sich dann noch Arglosigkeit ihrer Opfer geselle. „Wenn Brieftaschen, Handys, Schmuck und andere Wertsachen einfach offen auf Tischen oder Fensterbänken liegen, haben die Kriminellen natürlich leichtes Spiel“, sagt der erfahrene Kripomann und nennt die Welle von Überfällen durch Wegelagerer „eine absolut vermeidbare Form von Kriminalität“.

So sei nicht ein einziger Überfall auf Rastplätze mit freiem Blickfeld von der Hauptstraße aus gemeldet worden. Folglich sollten sich Touristen mit ihrem Gefährt für die Nacht nicht hinter Büsche oder Bäume stellen. Auch könne man die Tür zusätzlich von innen durch einen Sicherheitsgurt oder andere Riemen sichern. Was die Wertsachen angeht, hat der Schwede zwei Ratschläge: „Nicht so viel mitnehmen und das Mitgenommene nachts unter dem eigenen Kopfkissen deponieren.“

Als die Polizei Anfang August im westschwedischen Uddevalla vier Männer im Alter zwischen 16 und 63 Jahren festnahm, hofften die Fahnder auf einen deutlichen Rückgang der Überfallmeldungen. Die Hoffnung zerschlug sich bei mehr als 30 bis zum Ende der schwedischen Sommerferien eingegangenen Anzeigen. Für die nächste Feriensaison sollen zur Vorbeugung unter anderem mehrere besonders betroffene Rastplätze im westlichen und südlichen Schweden mit allzu dichtem Busch- und Baumwerk „rasiert“ werden. Wichtig sei aber größere Achtsamkeit der Urlauber, wobei sich die Deutschen nach schwedischer Expertenmeinung ein Beispiel an den Norwegern nehmen könnten: Hier sei die Zahl Betroffener als Folge einer Aufklärungskampagne in den Medien drastisch gesunken.

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