Überlebenszeit Schiavos laut Medizinern sehr ungewöhnlich
Amerikanische Koma-Patientin Schiavo gestorben

Die amerikanische Koma-Patientin Terri Schiavo ist tot. Sie starb am Donnerstag im Woodside-Hospiz in Florida, teilte ein Sprecher der Familie mit. Die Magensonde der hirngeschädigten Frau war am 18. März auf Antrag des Ehemanns entfernt worden.

HB WASHINGTON. Schiavo überlebte etwa 13 Tage ohne Zufuhr von Flüssigkeit oder Nahrungsmittel. Die Magensonde, die sie seit einem schweren Hirnschaden vor 15 Jahren am Leben hielt, war am 18. März entfernt worden. Ihr Schicksal und der verzweifelte Kampf der Eltern, die ihre Tochter am Leben halten wollten, hatten weltweit Anteilnahme ausgelöst. Unter anderem hatten sich US-Präsident George W. Bush und Papst Johannes Paul II. vergeblich für Schiavo eingesetzt. Schiavos Tod war ein erbitterter, jahrelanger Streit zwischen ihrem Ehemann und Vormund, Michael Schiavo, und den Eltern Bob und Mary Schindler vorausgegangen. Die Eltern waren nicht am Sterbebett ihrer Tochter.

Nach Angaben Schiavos wollte seine Frau nicht künstlich am Leben gehalten werden. Er wollte sie nach zahlreichen erfolglosen Therapieversuchen sterben lassen. Die Eltern bemühten in ihrem Kampf dagegen sieben Jahre lang alle Instanzen bis zum höchsten US-Gericht. Sie scheiterten aber schließlich trotz eines in letzter Minute eigens durch den Kongress gepeitschten Gesetzes. Michael Schiavo lebt seit Jahren in einer neuen Beziehung und hat inzwischen zwei kleine Kinder.

Der Intensivmediziner Prof. Dietrich Kettler hatte es als „sehr ungewöhnlich“ bezeichnet, dass die amerikanische Komapatientin Terri Schiavo schon seit rund zwei Wochen ohne jede Flüssigkeitszufuhr überlebt hatte. „Limitierend ist die Flüssigkeitszufuhr, nicht die Ernährung“, sagte der Göttinger Notfall- und Palliativmediziner zur Nachrichtenagentur dpa. Die 41- jährige Amerikanerin wurde seit dem 18. März nicht mehr künstlich ernährt und mit Flüssigkeit versorgt.

„Man stirbt nicht so schnell am Verhungern, weil der Körper in der Regel erhebliche Energiereserven hat, zum Beispiel Fettpolster oder gespeicherten Zucker und so weiter“, erläuterte Kettler. Ohne jede Flüssigkeit trete normalerweise der Tod dagegen in vier bis maximal sechs Tagen durch Nierenversagen ein. Allerdings hänge dies vom körperlichen Aktivitätszustand ab, der bei Schiavo sehr gering gewesen sei, sagte Kettler. Die Amerikanerin lag seit 15 Jahren im Koma. „Vielleicht hatte sich ihr (Schiavos) Organismus auf einen etwas reduzierten Bedarf an Kalorien und Flüssigkeit eingestellt“, sagte Kettler. Durch Stoffwechselvorgänge entstehen etwa ein halber Liter Flüssigkeit pro Tag - „als innere Bereitstellung“.

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