Überraschendes Ergebnis
Studie belegt Wirksamkeit der Akupunktur

Durch Akupunktur kann offenbar Bluthochdruck wirksam bekämpft werden. Das zeigt eine Studie des Universitätsklinikums Erlangen in Zusammenarbeit mit der Klinik für traditionelle chinesische Medizin in Ottobeuren.

DÜSSELDORF. 140 unter Bluthochdruck leidende männliche und weibliche Probanden zwischen 50 und 66 Jahren nahmen an der Studie des Universitätsklinikums Erlangen teil. Dabei wurden 72 zufällig ausgewählte Patienten an den traditionell bestimmten Punkten behandelt, die anderen erhielten eine Placebo-Akupunktur, bei der die Nadeln an unspezifizierten Punkten gesetzt wurden. Die Behandlung dauerte sechs Wochen und umfasste 22 Sitzungen. Unmittelbar nach Ende der Behandlung sowie nach drei und sechs Wochen wurde der Blutdruck je 24 Stunden lang gemessen. Ergebnis: In der traditionell akupunktierten Gruppe fiel der Blutdruck, während in der Kontrollgruppe „keine signifikanten Veränderungen“ registriert wurden. In anderen Akupunktur-Studien war bisher meist ein starker Placebo-Effekt beobachtet worden: Bei Rückenschmerzpatienten wirken einer großen Studie der Universität Bochum zufolge auch „falsch“ gesetzte Nadeln, allerdings weniger gut.

Die Akupunktur setzt sich in Deutschland immer mehr durch, obwohl die Wirkweise bisher nicht überzeugend erklärt werden kann. In einem Dokument des Gemeinsamen Bundesausschusses der Krankenkassen ist dazu vage von „einer Stimulation schmerzleitender Nervenfasern und dadurch ausgelösten Rückkopplungsprozessen“ die Rede. Seit Jahresbeginn zahlen die gesetzlichen Kassen Akupunktur-Therapien bei chronischen Schmerzen in der Lendenwirbelsäule oder in den Knien. Kritiker wie Gerd Glaeske, Pharmazie-Professor an der Universität Bremen, argumentieren mit diesem Placebo-Effekt gegen die Akzeptanz der Akupunktur: „Wenn so wenig klar ist, warum eine Leistung wirkt, ist das natürlich nicht unbedingt eine gute Voraussetzung für eine Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen.“

Frank Flachskampf, Kardiologie-Professor an der Universität Erlangen und Mitautor der Studie, war vom Ergebnis ziemlich überrascht, vor allem von dem völligen Fehlen eines Placebo-Effektes. Er selbst praktiziert Akupunktur nicht, erwartet aber eine steigende Bedeutung. „Das ist kein Hokuspokus. In dieser Tradition stecken offenbar Informationen über die menschliche Physiologie, die wir Schulmediziner nicht haben.“

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