Überschuss an Trauben und niedrige Preise machen Produzenten wie Foster’s und Southcorp zu schaffen
Australische Weinindustrie hat den Kater

Für die australischen Weinproduzenten wird 2004 ein Rekordjahr. Winzereien wie Peter Lehmann Wines, die Foster’s Group und Southcorp melden Rekord-Ernten. Die vierzehn größten Unternehmen konnten ihre Traubenproduktion in der abgelaufenen Saison gegenüber dem Vorjahr um 23 Prozent auf 1,76 Mio. Tonnen erhöhen, meldet der Industrieverband Australian Wine & Brandy Corp.

HB SYDNEY. Auch die Qualität der Ernte soll nach Aussage von Experten wieder Spitze werden – sowohl bei den weißen als auch bei den roten Weinen. Trotzdem mussten mehrere Unternehmen zum Teil drastische Restrukturierungen bekannt geben, weil sich das Weingeschäft kaum noch rentiert. Southcorp will in den kommenden Monaten vier Verteilzentren schließen. Foster’s schockierte den Markt mit Abschreibungen im Weingeschäft von 330 Mill. australischen Dollar. Außerdem will der Konzern bis 2009 jährlich 85 Mill. A-Dollar sparen.

Die Weinindustrie ist Opfer des eigenen Erfolgs. Innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte hat sich die Herstellung von Wein in Australien zu einem Milliardengeschäft entwickelt. Australische Weine werden heute in alle Welt ausgeführt, mit Großbritannien als Exportziel Nummer eins. Die Erwartung anhaltenden Wachstums war so hoch, dass Southcorp in den vergangenen Jahren das Geschäft ganz auf Wein verlagerte und Foster’s – traditionell ein Bierbrauer – zu einem wesentlichen Teil.

Doch die zunehmende Konkurrenz aus Ländern wie Chile, Südafrika und den USA, kombiniert mit einem wachsenen Überschuss an Trauben, trieb die Hersteller seit dem Jahr 2000 in eine Sackgasse. Mit zum Teil kaum noch verantwortbaren Discount-Angeboten versuchten gerade die Marktführer Southcorp und Foster’s, ihre Position zu wahren oder auszubauen. Die Rentabilität blieb auf der Strecke. Im vergangenen April exportierte Australien 24 Prozent mehr Wein als im Vorjahresmonat. Der Wert war aber neun Prozent niedriger.

Auch im Weingeschäft zeigt sich, dass Größe nicht immer nur Vorteile bringt. Der vergleichsweise kleine australische Familienkonzern Casella Wines behauptet sich selbst im hart umkämpften Geschäft in Amerika sehr gut. Laut Besitzer John Casella verkauft sich seine Marke Yellow Tail seit Jahren problemlos, obwohl direkte Konkurrenten ihre Produkte zu Discountpreisen anbieten. Für den amerikanischen Weinanalyst Jon Frederikson spielt die Qualität des Marketings eine wesentliche Rolle bei der Frage, wie sich ein Wein behauptet. Er bleibt langfristig optimistisch. „Die Nachfrage nach Wein – auch nach australischem - bleibt stark.“

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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