Überschwemmungen
Angelas Furcht vor dem Wasser

Dem Image von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat es geholfen. Und auch Matthias Platzeck sammelte mit seinem Besuch in den Hochwassergebieten Pluspunkte. So begab sich auch Angela Merkel am Sonntag in die überschwemmten Gebiete an der Elbe. Doch die Bewohner bereiteten der Kanzlerin keinen freundlichen Empfang.

HB HITZACKER/DANNENBERG. Bis in die überflutete Altstadt von Hitzacker kam Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht. Anders als Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der beim Jahrhunderthochwasser mit Gummistiefeln durch das Wasser stieg, beschränkte sich die Regierungschefin am Sonntag auf einige kurze Blicke auf die knietief unter Wasser stehende Straße zum historischen Stadtkern des niedersächsischen Ortes. Weil ein Deich fehlt, ist Hitzacker seit Tagen schutzlos dem Elbe-Hochwasser ausgesetzt. Begleitet vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU), hatte sich Merkel zuvor bei einem Hubschrauber-Rundflug einen Überblick über das Ausmaß der Flutkatastrophe an der Elbe verschafft. „Das Hochwasser hat wirklich dramatische Ausmaße angenommen“, sagte Merkel. „Um so erfreulicher ist es, dass die Hilfskräfte sich mutig und aufopfernd dieser Herausforderung stellen.“ Vage blieben die Auskünfte der Kanzlerin auf die Frage nach finanzieller Unterstützung für die Opfer. Unbürokratisch und schnell werde die Hilfe sein, zunächst seien Steuererlasse oder -stundungen möglich. Landesvater Wulff hatte immerhin eine Zusage über fünf Millionen Euro Soforthilfe im Gepäck.

Bei den Bewohnern Hitzackers stieß der Besuch auf ein geteiltes Echo. „Das ist schon in Ordnung, dass die sich ein Bild machen wollen“, sagte der Optiker Henning Sander, dessen Werkstatt im Wasser versinkt. Konkrete Hilfe verspreche er sich von den Politikern nicht. Sorgen mache ihm die Frage, wann das Hochwasser abfließt. Doch auch danach werde es wohl noch drei bis vier Wochen dauern, bis er sein Geschäft wieder öffnen könne. „Einige Existenzen hier können bestimmt nicht gerettet werden.“

Als „reine PR-Show“ bezeichnete der Heilpraktiker Peter Horn die Visite. Sein Haus ist mit Sandsäcken notdürftig gegen die Fluten abgedichtet und nur noch über Stege zu erreichen. Echte Hilfe komme nur von den freiwilligen Mitarbeitern von Feuerwehr, Rotem Kreuz, Technischem Hilfswerk und Greenpeace, die seit Tagen unermüdlich im Einsatz seien. „Komplett versagt“ hätten die Kommunalpolitiker, die im Gerangel um Kompetenzen wichtige Zeit verloren hätten. „Schwer enttäuscht“ vor allem über die ungenauen Vorhersagen der Pegelstände äußerte sich der Schlachtermeister Wilfried Haul, in dessen Laden in der Altstadt das Wasser den Boden bedeckte. „Da sitzen studierte Leute im Wasserwirtschaftsamt und können das nicht ausrechnen? Das verstehe ich nicht.“

Ungebrochenen Mutes zeigten sich derweil die Helfer. Anfangs seien seine Leute teils fast 40 Stunden am Stück im Einsatz gewesen, sagte Patrick Friede vom Technischen Hilfswerk Uelzen. „Mittlerweile hat sich das eingespielt: Wir haben genug Leute zur Verfügung, um Nacht- und Tagschichten abzulösen.“ Brenzliger sei die Lage etwa in Dannenberg, wo hunderte Helfer versuchten, die maroden Deiche gegen das Hochwasser der Jeetzel abzudichten. Entlastung erhofft man sich dort seit Sonntag von einer Spundwand, die verhindern soll, dass Wasser aus der Elbe zurück in die Jeetzel drängt.

„Wenn es hier regnen würde, würden die Deiche nicht mehr lange halten“, sagte Autoschlosser Werner Weber, der in Dannenberg nur rund 100 Meter von dem Flüsschen entfernt wohnt. Ein solches Hochwasser habe er hier in 55 Jahren noch nicht erlebt. „Wenn die rechte Seite durchbricht, steht kilometerweit alles unter Wasser - da sind die ganzen Schulen und Supermärkte.“ Dannenbergs Vize-Ortsbrandmeister Thomas Schmidt ließ keinen Gedanken ans Aufgeben zu. Die bis zu zwölfstündigen Einsätze seien zwar eine Extrembelastung, doch die Helfer seien äußerst motiviert. „Wir werden das hier auf jeden Fall halten.“

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