Übertragung von Mensch zu Mensch
Vogelgrippe trotz Familien-Infektion wohl nicht mutiert

Die Vogelgrippe erreicht offenbar eine neue Dimension: In einer indonesischen Familie ist der gefährliche Virus möglicherweise von Mensch zu Mensch übertragen worden – was laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) jedoch nicht mit einer Mutation gleichzusetzen ist.

HB JAKARTA/BERLIN. Es sei bislang nicht geplant, eine Expertengruppe einzuberufen, die über eine weltweite Vogelgrippe-Warnung entscheiden könne, teilte die WHO mit. Auch das deutsche Robert-Koch-Institut warnte vor einer Panikreaktion.

Im Norden Sumatras war Anfang der Woche ein siebtes Mitglied einer Familie an der Vogelgrippe gestorben. Daraufhin verstärkte die WHO die Suche nach weiteren Infizierten und der ursprünglichen Quelle der Infektion. Jeder, der engen Kontakt zu den Erkrankten gehabt habe, werde vorsorglich mit dem Grippemittel Tamiflu behandelt, sagte ein WHO-Vertreter in Indonesien, Firdosi Mehta. Die WHO teilte auf ihrer Internetseite mit, das Virus habe sich bisherigen Tests zufolge nicht genetisch verändert und sei daher nicht schneller von Mensch zu Mensch übertragbar als bisher angenommen. Auch gebe es noch keine Anzeichen für eine weitere Verbreitung.

Da alle der verstorbenen Infizierten offenbar ohne Kontakt zu kranken Tieren eng in einem Dorf zusammengewohnt und einige ihre bereits kranken Angehörigen gepflegt hätten, sei eine derartige Ansteckung möglich, erklärte die WHO. „Alle bestätigten Fälle der Gruppe können direkt in Verbindung damit gebracht werden, dass sie einem schwer erkrankten Patienten nahe und anhaltend ausgesetzt waren.“ Die WHO und indonesische Gesundheitsbehörden setzten jedoch auch die Suche nach anderen Ansteckungsquellen fort.

Obwohl die WHO bislang keine Anzeichen für die gefürchtete Mutation fand, äußerte sie sich dennoch besorgt über die bislang größte Anhäufung von Vogelgrippe-Infizierten. „Dies ist mit Blick auf die öffentliche Gesundheit bislang die bedeutsamste Entwicklung“, sagte ein Sprecher der WHO der Region Westpazifik Reuters TV in Manila. „Bislang hatten wir noch nicht den Fall, dass es keine Erklärung dafür gibt, wie sich diese Menschen angesteckt haben. Wir können in dieser Gemeinde keine kranken Tiere finden und das macht uns Sorgen.“ Eine Sprecherin der WHO wies Berichte über ein Eil-Treffen von Gesundheits-Experten dennoch zurück. Noch stünde ein Treffen nicht an. Dies könne sich aber abhängig von der Situation in Indonesien noch ändern.

In Deutschland warnte das Robert-Koch-Insitut vor überzogenen Angstreaktionen. Aus den bisher verfügbaren Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ergebe sich kein Anlass für eine neue Risikoeinschätzung, sagte Influenza-Experte Walter Haas der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Berlin. Es sei bereits bekannt, dass eine Ansteckung von Mensch zu Mensch bei einem engen Kontakt zu einem Schwerkranken in Einzelfällen möglich sei. Außergewöhnlich sei jedoch, dass ein relativ großes Familien-Cluster betroffen sei. Wissenschaftler fürchten, dass das Virus sich so verändern könnte, dass es leicht von Mensch zu Mensch übertragbar wird. Die Krankheit hat sich in den vergangenen Jahren von Asien aus bis nach Europa und Afrika ausgebreitet. Nach WHO-Angaben sind seit 2003 auch 124 Menschen an der Vogelgrippe gestorben. Alle der bislang Verstorbenen hatten sich Untersuchungen zufolge durch infiziertes Geflügel angesteckt.

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