Ultrahitze über Europa
In England schmelzen die Wachsfiguren

Temperaturen von 40 Grad und mehr, verheerende Brände, steigende Ozonwerte und sinkende Pegel in Flüssen und Seen - die Ultrahitze in Europa nimmt dramatische Ausmaße an. In Spanien und Portugal starben weitere vier Menschen - die Bilanz erhöhte sich damit auf 29 Todesopfer durch Hitze und Waldbrände.

HB/dpa LISSABON/PARIS/GENUA/HAMBURG. Ob Italien, Frankreich, Großbritannien oder Schweiz - an vielen Orten gab es neue Hitzerekorde. In Deutschland wurde am Mittwoch mit 39,0 Grad im saarländischen Ort Perl-Nenning vom Wetterdienst Meteomedia die höchste Temperatur des Jahres gemessen.

Wegen der Feuergefahr dürfen in Deutschland zahlreiche Wälder nicht mehr betreten werden. In vielen Regionen gelten die höchsten Waldbrandalarmstufen. Der Bodensee-Pegel droht auf den niedrigsten Stand seit 136 Jahren zu sinken. Der Edersee in Nordhessen hat so wenig Wasser wie seit Jahren nicht mehr. In Bayerisch-Eisenstein appellierten die Behörden an die Bewohner, sparsam mit Wasser umzugehen.

In Portugal starben bislang 14 Menschen im Flammeninferno, in Spanien kamen in der Gluthitze 15 Menschen ums Leben. Dort tobten Waldbrände in sieben Provinzen. Zehn Tage nach Ausbruch der verheerenden Brände auf der Iberischen Halbinsel entspannte sich die Lage insgesamt. In Portugal sind die meisten Feuer eingedämmt. Nur in den Bezirken Guarda und Castelo Branco loderten noch unkontrollierte Feuer. Die Feuerwehr fürchtet, dass eine neue Hitzewelle mit Temperaturen bis zu 42 Grad die Flammen erneut anfachen könnte.

Das Tarn-Gebirge brennt

Bundespräsident Johannes Rau drückte angesichts der Brände in einem Brief an den portugiesischen Präsidenten Jorge Sampaio sein Mitgefühl aus. Deutschland hat drei Hubschrauber mit Löschwasserbehältern nach Portugal geschickt.

Ein von einem Raucher ausgelöster Waldbrand in Südfrankreich breitete sich aus. Mit akrobatischen Einsätzen und extra langen Schläuchen versuchten 440 Feuerwehrleute, den auf mehr als 1600 Hektar wütenden Brand in der zerklüfteten Tarn-Gegend einzudämmen. Im südfranzösischen Montélimar stieg die Temperatur auf 41 Grad und brachte der Stadt damit den heißesten Tag seit 83 Jahren, berichtete der französische Wetterdienst Météo-France am Dienstagabend.

Hitze und Dürre entfachten Wald- und Buschbrände auch in Norditalien. Bei Genua loderten die Flammen an den Hängen unmittelbar vor den Toren der Stadt. Im Badeort Forte dei Marmi mussten mehrere Häuser evakuiert werden. Die norditalienische Metropole Mailand meldete einen historischen Rekord: Mit mehr als 42 Grad im Schatten war es laut Fernsehberichten so heiß wie seit 200 Jahren nicht mehr. Abkühlung war am Mittwoch nicht in Sicht. „Es kommt eher noch ein Tick dazu“, sagte die Meteorologin Dorothea Paetzold vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Zum Ende der Woche könnte im Südwesten Deutschlands sogar die 40-Grad-Marke geknackt werden.

Straßenbäume wässern

Die Bundesregierung hat Forderungen von Umweltverbänden nach einem Fahrverbot wegen hoher Ozonwerte zurückgewiesen. Regionale und kurzfristige Fahrverbote seien nicht geeignet, die Ozonwerte zu verringern, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums in Berlin. Insgesamt hat die Ozonbelastung nach Erkenntnissen des Umweltbundesamtes in diesem Jahr trotz der Hitzewelle aber abgenommen. Grund sei der Einsatz von Katalysatoren. Die Halbierung der Stickstoffbelastung der Luft sei vor allem darauf zurückzuführen, sagte Karsten Klenner vom Umweltbundesamt.

In Hamburg und in Ludwigshafen riefen die Behörden die Menschen auf, Straßenbäume zu wässern, weil die Mitarbeiter der Stadtverwaltung nicht mehr mit dem Gießen nachkommen. Ventilatoren werden zum Renner in den Kaufhäusern. „Das Interesse der Kunden ist so hoch wie schon seit zehn Jahren nicht mehr“, meinte der Sprecher eines Kaufhauses in Hannover. Seit Dienstag seien Ventilatoren ausverkauft.

Natürliche Abkühlung verspricht der „kälteste von jedermann aufsuchbare Ort Norddeutschlands“. Nach Auskunft des Geologen Ralf Nielbock liegen die Temperaturen in der Einhornhöhle bei Scharzfeld in Niedersachsen bei fünf bis sieben Grad.

In England schmelzen die Wachsfiguren

Heiß war es auch in der Schweiz, wo die Meteorologen am Mittwoch bis zu 37 Grad erwarteten. Zwischen Cham und Rotkreuz im schweizerischen Kanton Zug hatten sich wegen der Gluthitze sogar die Bahngleise verformt.

In England schmelzen sogar die Wachsfiguren. In einem Wachsfigurenkabinett bei London machen die Doppelgänger berühmter Persönlichkeiten einen zunehmend aufgelösten Eindruck, wie es heißt. Um den Schmelzprozess zu stoppen, schleppte das Personal kiloweise Eis an.

Die Hitze treibt auch kuriose Blüten: In Schweden versieht Busfahrer Mats Lundgren seinen Dienst im luftigen Kleid. Das entspreche auf Punkt und Komma den Vorschriften für ordnungsgemäße Dienstkleidung. Kurze Hosen seien darin ausdrücklich verboten, sagte Lundgren der Zeitung „Vätterbottens Folkblad“.

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