Um 19 Uhr steigt wieder Rauch auf
Ratzingers letzte Chance

Nachdem sich die Kardinäle auch am Dienstagvormittag nicht einigen konnten, laufen die nächsten beiden Wahlgänge an. Je länger die Wahl dauert, desto wahrscheinlicher wird ein Kompromisskandidat.

HB ROM. Wie schon am Montagabend herrschte auf dem Petersplatz zunächst Konfusion nachdem Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle gequollen war. Die Schwaden waren hellgrau, hätten genauso gut schwarz wie weiß bedeuten können. Das fehlende Glockengeläut machte aber klar: Die Wahl ist noch nicht vorbei.

Mit jedem Wahlgang schwinden die Chancen Joseph Ratzingers, Papst zu werden. Der Deutsche hat die konservativen Kardinäle hinter sich vereint - ein großer Block, aber zu klein, um die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit alleine aufzubringen. Gelingt es Ratzinger nicht, weitere Fürsprecher zu finden, wird ein Kompromisskandidat immer wahrscheinlicher. Diesem könnten dann Konservative wie Moderne zustimmen.

„Der entscheidende Tag für Ratzinger ist heute“, schreibt der Vatikan-Kenner Marco Politi von „La Repubblica“. Auch andere Experten in Rom sprechen von entscheidenden Stunden.

Schon am Montagabend hatten 40 000 Menschen zu früh gejubelt. Auch Sprecher von italienischen Fernsehstationen wussten im ersten Moment nicht, ob der Rauch schwarz oder weiß war. „Es muss Kardinal Ratzinger sein“, schrie ein Mann. Erst nach ein paar Minuten war klar, dass der neue Papst ist noch nicht gefunden war.

„Was für eine Enttäuschung“, sagte eine Römerin, die mit ihrer Tochter das Spektakel auf dem Petersplatz verfolgte. „Es war so schwer zu sehen, gegen den dunklen Himmel“, sagte ein Priester aus Angola. „Im ersten Moment sah es weiß aus und ich dachte, wir haben einen Papst. Aber es scheint, wir müssen warten.“

Am heutigen Dienstag sind noch zwei Wahlgänge vorgesehen. Gegen 19 Uhr blickt die Welt wieder auf den Schornstein in der Nähe des Petersdoms. Dann sollen die Stimmzettel von zwei Wahlgängen verbrannt werden. Weißer Rauch signalisiert, dass die Katholische Kirche wieder ein Oberhaupt hat.

Die 115 wahlberechtigten Kardinäle hatten sich am Montag in das Konklave zurückgezogen. Von der Außenwelt abgeschottet bestimmen sie in streng geheimer Wahl und teils auf Jahrhunderte alten Riten beruhendem Prozedere einen neuen Papst. Sie werden den Vatikan erst verlassen, wenn sie einen Nachfolger des vor rund zwei Wochen verstorbenen Johannes Paul II. gewählt haben.

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