Umweltschützer beklagen die Licht-Verschmutzung: Lichtsmog verwirrt Tiere und Menschen

Umweltschützer beklagen die Licht-Verschmutzung
Lichtsmog verwirrt Tiere und Menschen

Wenn rote und weiße Lichter über dem Gottlieb-Daimler-Stadion in Stuttgart kreisen, freut das die Fußballfans, aber es ärgert die Naturschützer. „Das ist Lichtverschmutzung. Der Himmel darf doch nicht zu Werbezwecken missbraucht werden“, sagt Gerhard Pfeifer, Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) im Regionalbüro Stuttgart.

HB STUTTGART. Für Mensch und Tier sei der ständige Lichtsmog gefährlich. „Ich wünsche mir, dass aktiv dagegen vorgegangen wird“, sagt Pfeifer. „Es gibt Lampen, die nach unten leuchten, sparsam sind und keine Tiere gefährden“, weiß Pfeifer. Um die Lichtverschmutzung zu bekämpfen, müssten Gemeinden, insbesondere helle Städte wie Stuttgart und Mannheim, ihre Straßenbeleuchtung austauschen. Dies geschehe viel zu zögerlich.

Außerdem beklagt Pfeifer fehlende Vorschriften bei Neubauten: „Es kann nicht sein, dass die Farbe des Daches vorgeschrieben wird, aber bei der Beleuchtung nur Empfehlungen ausgesprochen werden.“ Lichtverschmutzung ist das Spezialgebiet von Sibylle Winkel, Biologin beim Naturschutzbund Nabu in Hessen. Sie erklärt, dass viele Tiere sich am Mond- und Sternenlicht orientieren und durch künstliche Lichtstrahlen verwirrt werden. Ein Beispiel, dass jeder aus seinem Alltag kennt: Helle Lampen ziehen Insekten magisch an. Sie schwirren so lange um die Lichtquelle, bis sie erschöpft zu Boden fallen. „Bei Zugvögeln ist das ähnlich. Licht wirkt wie ein gefährlicher Staubsauger“, sagt Winkel.

Sibylle Winkels Paradebeispiel ist eine Kranichnotlandung in der hessischen Stadt Ulrichstein. 1998 seien dort etwa 2000 Kraniche gelandet, angezogen von den Flutlichtstrahlern einer Burgruine. Mindestens 13 Tiere seien verwirrt und geschwächt gegen Hausmauern geflogen und gestorben. Danach setzten das hessische Umweltministerium und engagierte Umweltschützer, darunter Winkel, eine freiwillige Vereinbarung durch. Viele Gaststättenbesitzer unterschrieben und schalten nun zur Hauptsaison der Zugvögel ihre Scheinwerfer aus.

Auch Ulrich Mahler, Vogelkundler am Regierungspräsidium in Karlsruhe, weiß, dass kreisende Disko-Scheinwerfer und Leuchtturmlichter eine Gefahr für die Vogelwelt darstellen. Ob auch die Lichtglocke über Großstädten die Vögel irritiert, sei noch ungeklärt. „Vögel sind intelligente Wesen und lernen schnell. Manche Zugvögel richten sich auf dem Weg in den Süden sogar nach den hell erleuchteten Großstädten“, sagt er.

Mit der Frage, ob ein hell erleuchteter Nachthimmel nicht nur Tieren, sondern auch dem Menschen schaden kann, beschäftigt sich Sylvia Kotterba, Schlafforscherin an der neurologischen Klinik der Universität in Bochum. „Wir brauchen die Dunkelheit um das Hormon Melatonin, ein Schlafhormon, bilden zu können“, sagt sie. Ab welcher Lichtstärke der Schlaf gestört wird, lasse sich jedoch nicht genau definieren. Kotterba: „Jeder Mensch hat individuelle Schlafbedürfnisse. Meist reicht ein Rollo gegen die störenden Lichter der Großstadt.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%