Umweltschutz
Goldrausch in der Tiefsee

Der Abbau von Edelmetallen im Meeresgrund wird immer lukrativer. Doch viele Staaten haben bisher keinerlei Bemühungen unternommen, den Umweltschutz zu beachten oder allgemeingültige Richtlinien auszuarbeiten. Nun fordert der Generalsekretär der Meeresbodenbehörde einen umweltschonenden Abbau der Bodenschätze in den Ozeanen.

DÜSSELDORF. Der Anblick war atemberaubend: Schwarze giftige Schwaden quollen aus der Meeresspalte, so heiß, dass das Thermometer am ausgestreckten Greifarm zu schmelzen begann. Plötzlich wimmelten Tausende exotisch anmutende Wesen im Scheinwerferlicht des Tauchboots. An den Flanken der neu entdeckten hydrothermalen Schlote, der sogenannten Schwarzen Raucher, lebten seltsame Röhrenwürmer mit roten Köpfen, dazwischen huschten weiße Krebse und aalartige Fische. Zum ersten Mal hatten 1977 Forscher in der pazifischen Tiefsee nicht weit von den Galapagos-Inseln ein vom Sonnenlicht unabhängiges Ökosystem entdeckt.

Heute, 30 Jahre nach der Entdeckung, sind wieder Tauchboote zu den untermeerischen Schornsteinen unterwegs. Das Objekt ihrer Begierde ist diesmal allerdings nicht die bizarre Tierwelt. Es geht um die Suche nach wertvollen Edelmetallen. Ob Gold, Silber, Platin, Mangan und Kobalt, Molybdän und Kupfer, Tellur für die Solarzellen der High-Tech-Industrie oder seltene Erden: der Grund der Ozeane bietet einen Schatz an immer wertvoller werdenden Mineralien.

Die heißen Quellen gelten dabei als die Erzfabriken der Tiefsee. In den Schlotwänden lagern sich in Schwefelverbindungen (Sulfiden) eingepackt die ausgewaschenen Buntmetalle des Erdinneren schichtenweise ab. Mehr als 300 solcher Hydrothermalvorkommen sind mittlerweile bekannt, knapp 100 davon mit Massivsulfiden (siehe Karte). Im Jahr 1989 fand eine Expedition des deutschen Forschungsschiffs „Sonne“ vor Tonga im Westpazifik Schlote mit Goldgehalten von 30 Gramm pro Tonne Ablagerung.

Das Edelmetall im Meeresgrund lockt seither die großen Minengesellschaften an. Zwei Tiefseeprojekte stehen nun kurz vor der Umsetzung: das Projekt „Solwara 1“ (Salzwasser) unter Führung der kanadischen Firma Nautilus Minerals in der Bismarcksee nördlich von Papua-Neuguinea und das Projekt „Kermadec“ der britischen Firma Neptune Minerals in den Gewässern nördlich Neuseelands. Die Investoren – ein „Who’s Who“ der globalen Bergbaufirmen wie Epion Holdings, Anglo American, Teck Cominco und Barrick Gold – scheinen es ernst zu meinen. Neptune Minerals hat mittlerweile insgesamt mehrere Zehntausend Quadratkilometer Meeresboden bei Neuseeland und vor Papua-Neuguinea zur Lizenz angemeldet. Eine beinhaltet den Conical Seamount an den submarinen Flanken der Lihir-Insel, auf der sich eine der größten Goldlagerstätten der Welt befindet. In der zentralen Bismarcksee liegen auch die umfangreichen Lizenzgebiete des kanadischen Unternehmens Nautilus Minerals, der größeren und kapitalstärkeren der beiden Firmen.

Ein mehrere Millionen US-Dollar teures Erkundungs- und Testbohrungsprogramm von Nautilus Minerals startete in diesem Jahr und soll Umweltbasisuntersuchungen durchführen. Bereits Ende 2006 hatte die Firma einen Vertrag mit der belgischen Firma Jan des Nul über den Bau eines 191 Meter langen Bergbauschiffs mit dem schön klingenden Namen „Jules Verne“ abgeschlossen. Im Jahr 2009 wird das Baggerschiff fertiggestellt sein und der Minenbetrieb in bis zu 1 700 Meter Tiefe starten. Dann wird mit einem speziellen Abbaugerät, einer Art ferngesteuerten Planierraupe, das erzhaltige Gestein an den Schwarzen Rauchern zerschnitten. Das Material gelangt danach über ein Transportrohr mit 30 cm Durchmesser bis zum Schiff an der Meeresoberfläche, wo es auf Lastkähne zur weiteren Verhüttung an Land umgeladen wird.

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